Archiv für den Monat: September 2014

Weltreise Indien, Amritsar und Srinagar

Hallo zusammen,

ich hatte eigendlich nicht vor mich so schnell wieder zu melden, aber nachdem ich gerade festsitze und vieleicht der eine oder andere von den Ueberschwemungen in Nordindien gehoert hat nuetze ich die Zeit und erzaehl euch wieder was von meiner Reise.

Zuerst einmal bin ich mit dem Zug nach Amritsar. Die Stadt ansich ist anders als Delhi, viel weniger Tourismus bzw. vor allem einheimische Sihks die ihre religioese Staette, den goldenen Tempel besuchen. Ich lerne einiges ueber Sihkismus, unter anderem dass die netten Maenner mit Turban und Rauschebart die vertrauenswuerdigsten in ganz Indien sind, das hatte ich vorher teilweise auch mitbekommen aber den Hintergrund nicht gewusst. Der Grundgedanke der Sihks ist alle sind gleich und an jedem Tempel gibt es freie Speise und Unterkunft fuer alle und alles wird von Freiwilligen zubereitet etc, ein Schauspiel fuer sich. 100.000 Essen pro Tag, sowas von effizient habe ich bis jetzt in Indien noch nicht erlebt. Meine Unterkunft ist ein neues Hostel welches von einem Ex-Cisco Mitarbeiter (auch Traveler) seit 2 Monaten gefuehrt wird. Wir haben richtig Spass dort und lernen viele lokale Sachen kennen. Unter anderem fahren wir (anlaesslich des jaehrlichen Hochzeitstags des Sihk Gotts) ins Nachbardorf zu einem Festival. Unbeschreiblich was ich dort erlebe, wir sind die einzigen Weissen dort, es gibt viele verschiedene Koestlichkeiten fuer alle frei zu essen. Viele Leute sind mit ihren Fahrzeugen (LKWs, Traktoren, etc) gekommen, wir duerfen/sollen auf einigen der Fahrzeuge mitfahren. Von vielen Leuten angestarrt oder angefasst zu werden stellt nach dem Festival kein Problem mehr fuer mich dar. Bei der Heimfahrt im Bus wird mir (wie ich vorher schon quasi erwartet habe) schlecht, ich steige aus dem Bus aus und uebergebe mich. Die naechste Nacht wird kurz, ich muss in etwa 8 mal auf die Toilette. Wobei das ganze schon eine gewissen Routine einnimmt. Zuerst Koerper entleeren, dann versuchen Fluessigkeit zu halten, gelingt das dann Arsenikum, ein klein wenig Essen (Reis, Nudeln, etc) und das Blaubeerzeugs Trinken. Ein Tag spaeter ist alles wieder gut. Mittlerweile bin ich auch ganz alleine in den verschiedensten Situationen nur mit Indern unterwegs und fuehle mich wohl. So bin ich zur Parkistanischen Grenze mit 14 Indern zusammen gequetscht in einem Cheep mitgefahren und habe mir die Grenzzeremonie angesehen, Theater mit ernstem Hintergrund gemischt mit Popkonzertgedanken wuerde das ganze am besten in Worte packen.

Danach bin ich auf nach Srinagar, das ganze nicht ohne Hindernisse. Zuerst bin ich ueber Nacht mit dem Zug nach Jammu. Am Bahnhof hat mich ein Sihk adoptiert, wir plaudern und er meint dass er sich richtig unwohl fuehlt wie wir die ganze Zeit angestarrt werden. Ich meine das Ganze waere noch garnichts. Er faengt an auf Hindi/Pangasi die Leute zu beschiempfen und zu verschaechen und gibt mit Tipps wie ich mich in solchen Situationen am besten verhalte. Ich finde das Ganze ziemlich lustig. In Jammu angekommen schuettete es in Stroemen und die Strasse nach Srinagar war gesperrt. Ich wollte die Info nicht so recht wahrhaben, bzw wenn wer sagt etwas sei etwas gesperrt gehe ich grundsaetzlich davon aus, dass es nicht stimmt und derjenige mich nur uebers Ohr hauen will. In diesem Fall hat es aber gestimmt. Ich checke in einem guenstigen Hotel ein, wir vereinbaren 500Roupien, dann sobald der TukTuk Fahrer weg ist sind es auf einmal 1500Roupien. Ich argumentiere und streite mit dem Besitzer aber er rueckt nicht davon ab. Angesichts der Tatsache, dass es in Stroemen schifft und ich muede und nass bin zahle ich den geforderten Preis und bin damit das erste Mal uebers Ohr gehauen worden. Ich bin den ersten Tag auf meiner Reise allein ohne andere Leute, tut gut unter den doch sehr intensiven Tagen mal einen Refexionstag einzulegen. Am naechsten Morgen breche ich wieder zum Busbahnhof (“Bustan”) auf, Strasse ist nach wie vor gesperrt, ich pruefe die Moeglichkeit eines Fluges, um gut 30Euro bin ich dabei und fliege noch am Nachmittag. Was ich danach am Flughafen erlebe habe ist so in der Form neu fuer mich, unter anderem 4 Gepaeckskontrollen, 5 mal Koerpervisitation, etliche Streitereien weil sich Leute vorgedraengt haben, Gepaeck musste ich am Rollfeld selbst nochmal raussuchen und dem richtigen Flug zuordnen und 3 mal musste ich zurueck weil jemand irgendwo einen Stempel oder ein Markal vergessen hatte.

In Srinagar selbst bin ich dann in einer Familienherberge untergekommen wo ich mich richtig, richtig wohlgefuehlt habe. Um 3Euro pro Tag konnte ich dort naechtigen (um weitere 3Euro gabs Verpflegung dazu). Ich war mit der Familien in Kontakt spielte mit den Kindern und hatte Spass. Es stellte sich herraus, dass sie auch Trakking Touren machen und wir haben gleich vereinbart dass ich wenn ich paar Leute anschleppe dann gleich als “Hilfsguide” mitgehen darf, soweit alles super. Mein Plan war hier mal ein, zwei drei Wochen zu bleiben doch es kommt (wie so oft in Indien) anders als man denkt. Die Region ist aktuell hochwassergefaerdet, die Fluesse und Bruecken sind noch ok aber es regnet hin und wieder. Tags darauf bricht ein Damm und das Hinterland flutet. Die Herberge wird ueberflutet. Ich helfe wo ich kann die Sachen ins Trockene zu bringen aber hilft alles nichts. Die Familie ist erschuettert und die Stimmung gedrueckt. Die Nachbarn hatten um ihr Haus eine Mauer gebaut und sassen im Trockenen … noch, dann ein grosser Knall und die Mauer bricht ein. Unser Haus wurde erschuettert und ich dachte schon jetzt faellt etwas zusammen. Das war dann der Zeitpunkt wo ich meine Sachen geschnappt habe und abgehauen bin.

Ich habe mir zwei Unterkuenfte rausgesucht wo ich naechtigen konnte und ein TukTuk gebeten mich dort hin zu bringen. Die Jungs vom TukTuk wollten mich aber dort nicht hinbringen (angeblich wegen Ueberflutung) und hatten etwas “besseres” in einer “sicheren” Umgebung fuer 4Euro. Ich dachte ok, aber ich haette meinem Instinkt trauen sollen. Das offensichtlich nur fuer Einheimische gedachte Hotel hat mich eher an ein Gefaengniss als ein Hotel erinnert. Der Besitzer wollte mich erst gar nicht nehmen aber durch Zureden hat es funktioniert. Dann gegen 11Uhr in der Nacht kommt ganz aufgeregt der Besitzer zu meinem Zimmer, wir muessten jede Minute evakuieren, ich sollte meine Sachen packen. Ich schaue beim Fenster raus und meine er soll ruhig bleiben, das Wasser ist noch nicht mal beim Gehsteig. Bis zum Morgen kommt er noch paarmal. Ich kann nicht schlafen. Das Wasser steigt langsam an und rinnt in die Gegend hinter dem Hotel runter. Am Morgen muss ich das Hotel verlassen, meine zweite bezahlte Nacht bekomme ich nicht zurueck, damit bin ich zum zweiten mal uebers Ohr gehaun worden.

Ich mache mich auf den Weg, weis nicht welcher Weg jetzt noch gangbar ist. Viele Strassen und Bruecken sind gesperrt. Ich habe zum Glueck am vorabend einige Unterkuenfte angeschrieben wie bei ihnen die Hochwassersituation aussieht und eine Rueckmeldung bekommen, also eine Zieladresse. Es gehen keine Taxies und TukTuks mehr, jeder versucht zu retten was er kann. Ich treffe zufaellig einen der Jungs aus der netten Familienherberge, wir besprechen anhand meines Stadtplans welchen Weg ich am besten nehmen soll um mich in Sicherheit zu bringen. Ich mache mich auf den Weg zu einer zentralen Bruecke, oft muss ich durch kniehhohes Wasser warten, zum Glueck ist die Stroemung nie sehr stark. Meine Canyoningerfahrung kommt mir in dieser Situation definitiv zugute, die Einheimischen halten mich teilweise fuer verrueckt. An der Bruecke angekommen borge ich mir ein Handy und erreiche meine Unterkunft und bitte um Abholung, nach einiger Diskussion stimmt der Besitzer zu. Eine Stunde spaeter kommt die Info er kommt nicht bis zu mir durch, aber ich solle in diese und diese Richtung gehen, dann kann er mich mitnehmen. Ich warte wieder durch diverse Untiefen, teilweise nehmen mich Leute mit. Ich ueberquere grenzwertige Bruecken, eine verschlingt gerade ein Hausboot. Ein nicht sehr schoenes Geraeusch und ich hoffe die Bruecke hats ueberlebt. Mein Taxi habe ich nicht erwischt aber ueber Umwege bin ich dann schlussendlich doch in der Herberge angekommen, hier habe ich mindestens 20m zum Wasserspiegel, damit ist alles gut. Strom haben wir noch, Lebensmittel gehen so langsam aus aber Reis und Daal gibt es sicher die naechsten Wochen ohne Probleme. Sobald der Weg zum Flughafen frei ist werde ich nach Delhi zurueckkehren und dann Richtung Osten bzw. Nordosten weiterziehen.

Ihr hoert wieder von mir,
Max

Nachtrag: bin aktuell in Delhi angekommen, Details und Fotos gibts später.

Nachtrag Nr2: Ich hab nun die Fotos von Amritsar beigefügt, die sind irgendwie untergegangen.

Weltreise Indien Like/Hate

Nachdem ich gerade in Srinagar festsitze, meine Fuesse muede und mein Buch gerade zu Ende ist hier eine subjektive Auflistung was mir bis jetzt an Indien gefaellt und was nicht. Sofern Zeit bleibt werde ich die Liste bei Gelegenheit ergaenzen.

Was ich an Indien mag:
- ich bekomme viel Aufmerksamkeit, d.h. wenn ich moechte viel Information oder schnelleren Zugang zu Essen, Tickets etc.
- bunten farbenfrohe Kleindung ueberall
- die Leute sind offener und gefuehlvoller als bei uns
- es wendet sich, egal wie duester es gerade aussieht alles irgendwie zum Guten, zumindestens bis jetzt. Manchmal auf andere Weise als man denkt oder geplant hat
- die Auswahl an Essen, Fruechten (roh und getrocknet), frischen Saeften und Suessigkeiten
- die Preise, 5Euro pro Tag fuer Essen und Schlafen etwas abseits der Massen, 4Euro fuer ein Kg Rosinen
- die Leute kommen selbstlos auf einen zu und helfen weiter, zeigen etwas her, beschuetzen einen oder nehmen einen unter ihre Fittiche

Was mich an Indien stoert:
- der Dreck und Gestank, teils mehr teils weniger je nachdem wo man gerade ist (Ein Beispiel, wenn man auf den Zug wartet und aus Klo muss, natuerlich dann schifft man auf die Gleise, und regnet es gerade, dann auf den Bahnsteig damit man nicht nass wird, es rinnt ja eh Richtung Gleis)
- die Verkaeufertypen welche einen, sobald man in eine Touristengegend/Busstation/etc. kommt, belagern und entweder die Unterkunft eines Freundes oder sonstigen Quatsch andrehen wollen oder dich vom offiziellen Ticketschalter weglocken um beim eigenen ein ungueltiges oder ueberteuertes Ticket zu verkaufen (die Schwierigkeit ist oft zwischen einem Verkaeufertypen und einem selbstlosem Helfer schnell unterscheiden zu koennen, so habe ich bereits zweimal jemanden echt veraergert weil ich ihn als Verkaeufertypen abgestempelt und entsprechend behandelt habe, er aber keiner war)