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Reise nach Marokko

Seit der Rückkehr nach der Weltreise haben wir nur noch Kurztrips in Europa unternommen oder sind nach China gefahren, um Verwandte zu besuchen. Umso schöner war es dann Anfang März wieder einmal die Rucksäcke für eine Reise, diesmal nach Marokko zu packen. Die Voraussetzungen dafür waren günstig, der Flug von Wien mit Lauda direkt um einen unschlagbaren Preis. Das Gepäck (bis auf die Babysachen) vernachlässigbar leicht, wenig Regen angesagt und Reisebudget so wie es aussah im günstigen Rahmen. Einzig allein die Corona Situation in Italien gab uns zu denken doch wir hatten uns dann für eine Abreise entschieden.

Zuerst ging es mit dem Zug nach Wien und weiter mit dem Flieger nach Agadir. Am Flughafen werden wir mit dem ersten Corona Check konfrontiert, ich fülle alle Formulare wahrheitsgemäß aus, unter anderem war z.B. ich im Oktober noch in China. Der zuständige Beamte traut sich da nicht ganz drüber und wir werden an die Ärzte Vorort verwiesen. Die lesen nur Oktober auf dem ersten Formular und lachen den Beamten aus, soweit alles gut, wir dürfen einreisen. Im meinem Kopf stell ich mir die Frage was passiert wäre wenn man auch die anderen Formulare überprüft hätte, aber egal. Unser Host Mohammed holt uns vom Flughafen ab, wir kommunizieren in Brocken von Englisch, Spanisch und Französisch und stellen fest, dass der Verkehr hier sehr „tranquillo“ ist. Unsere Unterkunft liegt im 3. Stock eines Wohnblocks, ein Airbnb. Es gibt alles was man benötigt, sogar einen Lift für den Kinderwagen. Draußen ist es staubig. Ums Eck ca. 5 Minuten liegt Souk El Had, der große Markt der Stadt. Hier finden wir Essen, Obst, Gemüse und auch vieles andere zu sehr günstigen Preisen. Am ersten Abend, schon müde von der Reise, essen wir Harira, eine lokale vegetarische Suppe mit Nudeln und Kichererbsen um etwa 0,5€ pro Person. In den folgenden Tagen bleiben wir in der Stadt. Wir machen erste Ausflüge mit dem Bus, besuchen einen kleinen Zoo und natürlich den Strand. Julien ist besonders von den Tieren im Zoo und dem Strand sehr begeistert. Ganz generell ist Reisen mit Baby natürlich anders. Am Anfang war es schwer mit anzusehen wie sich der Kleine in der Mittagshitze in dieser staubigen Umgebung plagt aber spätestens, wenn man dann sieht wie er den Verkäufern im Markt die Tomaten stibitzt oder am Strand herumtollt, dann weis man schon, das passt. Wir haben uns natürlich arrangiert und versucht Dinge zu machen die babytauglich sind aber so ganz genau kann man das im Vorhinein oft nicht sagen. Generell ist zu sagen, dass die Leute (vielleicht gerade wegen des Babys) sehr offen und hilfsbereit waren. So ist es passiert, dass beim Windelwechseln in einer Gasse im Buggy sich plötzlich das Fenster über uns auftut und wir ins Haus eingeladen werden. Der „Boxenstop“ hat dann etwas länger gedauert als erwartet und wir bekamen Tee, Essen und sogar Geschenke. Sollten wir wieder mal nach Agadir kommen wissen wir schon wo wir wohnen werden.

Mit dem Bus ging es weiter nach Essaouria, ebenso einer Küstenstadt wir Agadir. Dort angekommen wurden wir von einer Schweizerin empfangen und fühlten uns in unserer neuen kleinen Bleibe im dritten Stock gleich wie zu Hause. In der alten Innenstadt sind wir nach der Ankunft gleich herumgestreunt aber haben im Reiseeifer die warmen Jacken zu Hause vergessen, was dann am Nachmittag im windigen Essaouria ganz schön kühl wurde. Am Abend bin ich dann noch rausgegangen etwas einzukaufen, zuerst Wasser für den kleinen im Shop ums Eck und dann nochmals Frühstück für morgen. Als ich zu unserem Haus zur blauen Tür zurückkomme ist auf einmal das zuvor gekaufte Wasser weg und auch das Fahrrad, das daneben stand, komisch denke ich mir, da hat wohl jemand mein Wasser brauchen können aber bei 0,8€ für 5 Liter soll es mir recht sein. Am nächsten Tag sind wir dann ausgiebig in der Altstadt umhergeschlendert, haben den Hafen angeschaut, die Aussicht von den Burgmauern genossen und so weiter. Leider war Julien wegen dem Wind etwas verkühlt was uns dann dazu bewogen hat am folgenden Tag nach Marrakesch weiterzureisen. Wie wir am Abend dann zurückkommen von der anderen Seite der Straße, schon etwas müde öffne ich die Tür und sehe hurra, meine Wasserflasche und das Fahrrad daneben sind wieder da. Wir gehen also mit Wasser und Buggy in den dritten Stock, aber irgendetwas fühlt sich komisch an. Als wir oben angekommen sind, wissen wir was passiert ist, wir sind im falschen Haus, scheinbar haben hier zwei Häuser den gleichen Haustürschlüssel unten und eine Tür die fast gleich aussieht. Deshalb hatte ich das Wasser am Abend nicht gefunden, hab wohl im Halbdunkeln die falsche blaue Tür erwischt. Nachdem wir dann wieder unsere Unterkunft gefunden hatten, ging es ans packen für die Abreise am nächsten Tag.

Wieder mit dem Bus ging es weiter nach Marrakesch. Diesmal nicht mit CTM, sondern Supr@tours weil die Abfahrtszeit günstiger war, Preis und Erlebnis sind in etwa gleich. In Marrakesch angekommen werden wir von vielen Taxis empfangen, für 100 Dirham (umgerechnet etwa 10€) würde man uns in die Stadt bringen, ich habe etwas von 30-50 auf Wikivoyage gelesen, unser Host sagt 15-20. Wir verlassen die Menge und ein Taxi bleibt auf der Straße stehen, wir einigen uns auf 30 die anderen Taxler rennen uns schreiend hinterher aber wir sind schon weg, 10 Minuten später sind wir schon da, am zentralen Platz Jemaa el Fna, da haben wir wohl zu viel bezahlt. Später machen wir dieselbe Fahrt für 7. Wir treffen unseren Host und gehen einige kleine Gassen weiter zu unserer Unterkunft. Die Situation stellt sich als nicht ganz sauber und auch nicht babytauglich dar, aber mangels preiswerten Alternativen bleiben wir einige Tage. Wir „verlaufen“ uns vielfach in den Märkten und Gassen, was allerdings hier nicht unterschätzt werden sollte, sind die Motorräder die auch in den engen Gassen einem um die Ohren fahren. Wie bereits in Agadir haben wir auch den Bus verwendet, blöd war dann nur, dass wir den Bus in eine Richtung genommen haben und wir erst beim Zurückfahren informiert wurden, dass wir den Kinderwagen nicht mitnehmen dürfen, da war sogar ein fettes Schild vorne im Bus, das haben wir so nicht erwartet. Julien war von den Pferden sehr angetan, so haben wir eines Abends eine kleine Stadtrundfahrt gemacht. Blöd nur, dass ausgerechnet auf dieser Fahrt der Kleine „gut geschissen“ hatte und alles voll war, also er selbst und die Umgebung. Na ja macht nichts, wir sind die Runde dann in etwas verkürzter Form zu Ende gefahren und haben zu Hause wieder alles gereinigt. Mit dem Zug ging es dann weiter in die Hauptstadt von Marokko, nach Rabat.

Die Zugfahrt war erstaunlich europäisch, bis zu 170km/h, relativ sauber und sogar pünktlich abgefahren sind wir. Hier haben wir erste Menschen mit Masken gesehen und scheinbar auch in den Medien wurde von Infektionsfällen in Marokko berichtet. In Rabat angekommen sind wir uns vom Gefühl her eher in einer spanischen Stadt vorgekommen, alles war sehr sauber, die Leute offen und hilfsbereit. Mit der nagelneuen Straßenbahn sind wir in die Altstadt zu unserer Unterkunft gefahren. Leider hatte unser Host versucht „Live Location Sharing“ für die Navigation in den kleinen Gassen zu verwenden, wir haben dann aufgegeben und die Straßennamen der Kreuzung durchgegeben und wurden dann abgeholt. Wir haben in einem Haus den obersten Stock ganz für uns, da konnten wir uns mal wieder entspannen, Wäsche waschen und ein bisschen die Seele baumeln lassen. 5 Minuten in die eine Richtung gab es eine kleine Gasse mit vielen Händlern, Gemüse, Obst, Brot, Milch und alles, was man brauchte, hat man dort bekommen. 5 Minuten in die andere Richtung konnte man schon die Festung am Hafen besichtigen. Die Leute haben uns dort sehr gut behandelt, man ist sich nicht als Tourist vorgekommen und auch Handeln war nicht notwendig. Wir hatten leider schon vorher das weitere Zugticket nach Fes gebucht (Aktionszugticket um 5€), sonst wären wir gleich noch einige Tage geblieben, aber wir hatten uns vorgenommen bei der Rückreise wieder für 2-3 Tage in Rabat Station zu machen.

Die Reise nach Fes mit dem Zug verlief ohne Zwischenfälle. Während der Fahrt fiel uns auf, dass das Land immer grüner wurde, es gab Wiesen, viel Getreide, Obst und sogar Kühe, ein starker Gegensatz was wir rund um Marrakesch oder Essaouria gesehen hatten. In Fes konnten wir schon fühlen, dass es etwas touristisch sei, aber bei weitem nicht so anstrengend wie in Marrakesch. Nach einigem hin und her haben wir unsere Unterkunft gefunden, einem kleinen blauen Eingang folgend, danach muss man den Buggy zusammenklappen, weil es so schmal wird und wenn man dann die Tür öffnet, befindet man sich in einem großen Haus. Dort haben wir mit der Familie unter einem Dach gelebt, konnten uns aber wegen fehlender Arabisch oder Französisch Kenntnisse nur rudimentär aber umso herzlicher verständigen. In der Altstadt waren wir unterwegs und auch und auch in der Umgebung haben wir uns das eine oder andere angesehen. Danach wurde spontan die Ausreise in einige europäische Länder von Marokko aus untersagt und auch auf der Straße konnten wir fühlen, dass wir nicht mehr so wirklich willkommen waren. Es gab ja auch zuvor schon den einen oder anderen „Corona“ Ruf aber seit es zum erstes Todesfall in Marokko kam, konnte man teilweise die Feindseligkeit uns gegenüber spüren. Wir haben dann überlegt was wir machen und unseren Rückflug um einige Tage nach vorne verlegt. Tags darauf sah es auch so aus, als würde die Ausreise nur noch nach Saudi-Arabien möglich sein und wir haben angefangen Pläne zu schmieden, die Botschaft zu kontaktieren und so weiter. Die Hauptideen waren mit einem Flug, mit möglichst wenig Zwischenstops, in die Nähe der Heimat zu kommen oder in Marokko für einige Monate sesshaft zu werden.

Tags darauf mache ich am Morgen zufällig die Webseite der Botschaft auf und dort steht, dass die letzten Österreicher heute Abend ausgeflogen werden und danach der Flugverkehr für längere Zeit eingestellt wird. Wir packen also schnell unsere Sachen, um den nächsten Zug zu erwischen. Wie immer passend hat Julien gerade sich und seine Umgebung völlig „kontaminiert“ und wir machen den gefühlt schnellsten Windelwechsel alle Zeiten. Danach geht es mit dem Taxi zum Bahnhof und dort fährt der Zug in 15Minuten. Ich laufe noch schnell zu einigen Läden um Essen und Getränke für die 6-7h Zugfahrt zurück nach Marrakesch zu bekommen. Es geht sich alles aus, der Zug fährt los und wir und Jause sind mit dabei. Dann gilt es herauszufinden wie das mit dem Flug wirklich ist, also schauen wir die Abflugliste des Flughafens durch und hurra, um 20:50 fliegt ein Flieger nach Wien aus, der muss es sein, das geht sich aus. Wir geben die Info weiter und müssen uns auch noch beim Außenministerium auf eine Liste setzen lassen. Am Flughafen angekommen finden wir eine lange Schlange wo viele Leute auf ihre Tickets warten. Die Flughafenangestellten sind etwas überfordert, aber stellen Tickets aus, soweit so gut. Einige Stunden später kommen einige Botschaftsangestellten dazu und bringen Neuigkeiten mit, es gibt nicht genügend Platz, nur Österreicher werden ausgeflogen, Kinder und alte Leute werden vorrangig behandelt. Wir überlegen kurz was wir machen und ich sag wir fliegen entweder alle oder niemand. Die Leute werden immer ungeduldiger und fangen an zu schieben, ich fühle mich wie auf einem Rockkonzert, von Corona-Maßnahmen fehlt weit und breit jede Spur. Ich schicke dann meine Frau mit dem kleinen zur Seite und spreche einige verantwortliche Personen direkt an, ich bekomme „Baby Präferenz“ und wir dürfen angeblich alle fliegen. 25 Minuten später hat die Damen am Schalter es dann auch geschafft uns einzuchecken und wir haben die Tickets, hurra. Bis der Flug dann tatsächlich geht, ist es weit über Mitternacht, wir sind müde aber glücklich. Aktuell befinden wir uns zuhause in quasi freiwilliger Heimquarantäne, wir vermissen Marokko und werden hoffentlich nächstes Jahr wieder kommen können.

Heimreise und Weltreiserückblick

Liebe Reisebloglesende,

mit etwas trauriger Miene muss ich bekannt geben, dass dies mein letzter und abschließender Weltreiseblogpost ist. Ich bedanke mich für eure Ermutigungen, Fragen und Feedback. Das war auf der Reise ganz wichtig für mich, dass ich zu Hause noch nicht ganz vergessen wurde. Wie ich diese Zeilen schreibe bin ich bereits in Salzburg wo ich voraussichtlich wieder für lange Zeit bleiben werde. Betreffend neuer Telefonnummer werde ich euch die nächsten Tage kontaktieren, ansonsten bin ich ja immer über erreichbar. Auch möchte ich mich entschuldigen, dass dieser Blogpost verspätet erscheint, aber die letzten Wochen waren sehr intensiv für mich und mit privaten Verpflichtungen ausgefüllt.

Von der Heimreise über Peru sind noch einige Orte offen, so möchte ich in diesem Beitrag einige Wochen zurückspringen nach Tacna. Wir kommen also gerade mit dem Bus von der chilenischen Küstenstadt Iquique nach Arica und nehmen von dort einen lokalen Bus über die Grenze zurück nach Peru. Die Grenzstadt Tacna hat es uns nicht wirklich angetan, unsere Unterkunft ist nur mittelmäßig und wir sind zwar umher die Stadt zu erkunden, es ist aber kalt und regnerisch. Wir beschließen dann Tags darauf, nachdem wir unsere restlichen Chilenos in peruanische Sol gewechselt haben (1000 Chilenos = 5 Sol, wir verlieren ca. 3%) den Bus in die nächste größere Stadt, Arequipa auf etwa 2300m, zu nehmen. Dort angekommen fällt uns gleich auf, dass hier wieder Tourismus im Vordergrund steht, denn Arequipa ist berühmt für Alpaka-Wollprodukte und wird auch die weiße Stadt genannt, da viele alte Bauten mit weißen Steinen aus einem nahe gelegenen Steinbruch gebaut sind. Zum Glück leben wir gemeinsam mit einer Familie etwas außerhalb des Zentrums und es passt, wir kochen gemeinsam, lernen die lokalen Gegebenheiten kennen und so weiter. Die Tage verbringen wir meist in der Stadt, die alten Gebäude, die lokalen Märkte wie auch ein bisschen Geschenke shoppen ist angesagt. Die Zeit vergeht rasch und schon bald verlassen wir Arequipa mit einem Flieger nach Lima. Hier hatten wir kurz überlegt den Bus zu nehmen, aber nachdem der Flieger fast genau soviel gekostet hat und der Bus mehr als 16 Stunden braucht, hatten wir uns dann für den Flug mit Vivaperu entschieden. Der Zwischenstopp in Lima ist notwendig, da quasi alle günstigen internationalen Flüge in der „näheren“ Umgebung von dort aus starten. Wir entspannen uns zwei Tage, gehen etwas shoppen und holen auch das einige Monate zuvor abgelegte Sprachzertifikat ab. Danach geht es getrennt weiter, da ich ja zu Beginn einen Roundtrip Madrid – Bogota gebucht hatte, fliege ich weiter nach Bogota. Es ist schön wieder zurück zu kommen, es werden Geschenke eingekauft und Bekannte besucht, bevor es kurz danach mit dem Flug zurückgeht nach Madrid und dann weiter über München nach Salzburg.

Betrachte ich Südamerika rückwirkend, vermisse ich viele Leute und Orte von dort, aber auch der eine oder andere etwas brenzlige Moment war dabei. Bis auf einen Regenschirm ist uns nichts abhandengekommen und nichts großartig passiert. Das heißt aber nicht, dass wir nicht wachsam waren, bewusst etwas „heruntergekommen“ aussehen, auch die Entscheidung lokale Transportmittel untertags zu verwenden hat sicher das ihre dazu beigetragen. Von einem Nordsüd Gefälle an Freundlichkeit wie viele andere Reisende das berichten, kann ich nicht sprechen, wir wurden an vielen Orten freundlich empfangen, vor allem wenn wir es geschafft hatten etwas aus den touristischen Zentren zu entfliehen. An vielen Orten und zu vielen Festen haben wir das folgende Lied gesungen, was für uns sehr stark mit unserer Zeit in Südamerika verbunden ist.

Wenn ich auf meine drei Reisejahre zurückblicke, habe ich sehr viel erlebt und gesehen. Vieles davon kommt mir erst wieder so richtig in den Sinn, wenn ich alte Blogposts lese oder mir Fotos anschaue. Wenn ich dann etwas erzähle, ist das oft nur von einem Ort, eine kurze Geschichte oder Gegebenheit. Viele von euch haben mich gebeten doch einen Diavortrag zu halten, da bin ich noch am überlegen, wollt ihr das wirklich … ich bitte um ermunternde Zuschriften ;-), dann werde ich, vielleicht pro Land einen 1-2h Vortrag halten. Wer einen Überblick über die vielen Blogposts haben möchte bekommt diesen hier. Für alle Reiselustigen, welche länger unterwegs sein möchten habe ich einige Informationen hier zusammengestellt. Nun folgt die Darstellung der ganz grobe Reiseroute mittels einer tripline.net-Karte, die einzelnen besuchten Orte aufzuführen hätte bei weitem den Rahmen gesprengt. Details wenn benötigt bitte den Blogposts entnehmen oder mit mir das Gespräch suchen.

Anschließend möchte ich in wenigen Worte auf bereisten Ländern eingehen, welche große Unterschiede aufweisen. In Indien beispielsweise sollte man sich neben den guten und schlechten Gerüchen daran gewöhnen, dass oft kreative Wege gefunden werden, um etwas zu erreichen. Dieses „Schummeln“ dann als Volkssport zu bezeichnen geht hier zwar fast schon etwas zuweit, aber man trifft diese Situationen oft und in verschiedenen Bevölkerungsschichten an. Im Gegensatz dazu ist gerade die ärmere Bevölkerung sehr hilfsbereit und gastfreundlich, wenn auch das Essen oftmals einen unerwünschten „Nebeneffekt“ beinhaltet. Von der Sprache her sind einige Phrasen in der lokalen Sprache Pflicht, ob das Bengali, Tamil, Hindi oder sonnst was ist, nur English zu sprechen ist etwas zu wenig und die wenigen Phrasen die man dann in der lokalen Sprache spricht öffnen viele Türen, Mitfahrgelegenheiten und so weiter. Generell gibt es in Indien viel körperliche Nähe im Alltag, so werden Busse oder Züge gemeinschaftlich und sehr dicht genutzt. Das Bild der Frau ist in den Kopf der indischen Männer oftmals ein sehr verzerrtes, hier sollte man etwas vorsichtig sein, downdressing ist angesagt und die eine oder andere Gepflogenheit der lokalen Damen zu übernehmen hilft. Reisebudget in Indien würde ich als günstig bis sehr günstig einstufen. In China ist ein bisschen Chinesisch Pflicht und für jemanden, der bereits Deutsch kann mit der Aussprache nicht so wirklich kompliziert, versucht es! Die Infrastruktur ist top, das was man aus Europa so kennt, wirkt langsam und armselig. Auch die Gastfreundschaft ist unglaublich, so etwas findet man anderorts nicht so schnell. Natürlich sollte man sich auch auf einen permanenten Grundgeräuschpegel und die oft vorhandenen Luftverschmutzung einstellen. Preisniveau beim Reisen liegt etwas unter Europa bzw. kommt darauf an um was es sich handelt. Wen unberührte Natur erleben möchte ist in Neuseeland richtig. Sofern man sich abseits der Touristenhauptrouten bewegt sind auch die Einheimischen sehr nett. Das Wetter ist oftmals etwas rauer als bei uns, das wird durch die Nähe des Südpols erklärt. Canyoning ist möglich und interessant, aber in meinen Erfahrungen oft wasserreicher, abgelegener und meist kälter als bei uns. Reisekosten liegen etwa im selben Bereich wie in Europa. Die von mir besuchte Ostküste in Australien würde ich eher meiden, außer man will mit arbeits- und partywütigen Kindern umgeben sein, welche zum ersten Mal von zu Hause weg sind und dann natürlich die Sau rauslassen müssen. In Indonesien werden die Leute immer netter je weiter man sich von den Massen entfernt. Wenn man an einem Tag an einem kilometerlangen weißen Sandstrand nurmehr drei Leute sieht, dann weis man, man hat das Paradies gefunden. Nach dort oder auch von dort wegzukommen hat dann oft aber auch die eine oder andere Transportproblematik mit sich gebracht. Kostenpunkt, zwar nicht so günstig wie Indien aber immer noch günstig. In Kolumbien wurden wir vielerorts sehr warm und offenherzig empfangen. Wenn man dann erfährt, was da nach wie vor passiert, bewundert man das noch um so mehr. Natürlich sollte man etwas aufpassen und sich etwas nach den Ratschlägen der Einheimischen richten, wie zum Beispiel Nachts im Haus zu bleiben oder bestimmte Gegenden zu meiden. Das Reisen kostet in Südamerika generell weit unter europäischem Niveau, wenn man von internationalen Flügen absieht. In Peru sind mir vor allem die Städte in den Bergen ans Herz gewachsen. Die gute Mischung von Einheimischen, Zugewanderten und Touristen dort macht das zu einem bunten und lebhaften Treiben. Es gibt viele Optionen selbständig in den Bergen unterwegs zu sein, jedoch auch einige völlig überlaufene Touristenzentren, welche man besser meidet.

Wenn man das Reisebudget der letzten drei Jahre betrachtet, kommt man pro Tag auf einen Durchschnittswert in der Größenordnung von 40€. Eine Nachkalkulation im Detail habe ich unterlassen aber unterm Reisen in diversen Ländern eine grobe Kalkulation gemacht und mir Tageslimits gesetzt. So habe ich ohne Flüge zu berücksichtigen z.B. in Indien zwischen 10-15€ pro Tag gebraucht und in Spanien bereits rund 35-45€. Betrachtet man die Flüge genauer, welche einen großen Teil des Budgets ausmachen, habe ich für gut 50 Flüge zwischen 20 und 1200€ pro Flug bezahlt. Beim Fliegen kam es auch oftmals zu unerwarteten Problemen, von einem mehrfachen Landeanflug in einer kleiner Propellermaschine, 24h ungewollter Aufenthalt beim Warten auf den Anschlussflug, verlorenes Gepäckstück, welches Tags darauf wieder aufgetaucht ist oder auch einem Flugabbruch nach Triebwerksproblemen ist dann aber doch alles gut ausgegangen. Mein Gepäck hat sich im Laufe des Reisens etwas verändert, die finale Gepäckliste findet ihr hier. Wer mich kennt weis, dass ich oft und gern etwas tue und so natürlich auch auf Reisen. Ich habe mich mit Sprachen beschäftigt, neben wenigen Phrasen in den verschiedensten Sprachen habe ich vor allem Spanisch, Hindi und Chinesisch gelernt und auch Deutsch und Englisch unterrichtet. Das Arbeiten mit Holz war vielerorts gefragt, ob beim Fällen und Pflanzen von Bäumen oder beim Bauen von Unterkünften oder Möbeln, ich habe hier viel Neues gelernt. Auch als Elektriker war ich tätig, wobei mir die vorhandenen Sicherheitsstandards nicht wirklich zugesagt haben. In den Bergen war ich, sowohl selbst unterwegs aber auch als Guide für andere und auch in mehreren Bergsteigerkursen habe ich neues und auch veraltetes Wissen erfahren. Und natürlich als Canyoningguide, wobei ich so intensiv nicht mehr schluchteln möchte.

Meinen Blog www.schlucht.at wird es auch in Zukunft geben, aber vermutlich wird sich das gepostete Material eher den alltäglichen Themen widmen als dem Reisen. Der Newsletter wird ab sofort eingestellt, sprich es werden keine neuen Newsletter mehr verschickt. Die nächsten Tage und Wochen werde ich nutzen, um zu Hause anzukommen, mich einzuleben und wieder persönlich mit euch in Kontakt zu sein. Ab April werde ich wieder intensiver ins Arbeitsleben einsteigen, wer betreffend Job oder Wohnung etwas weiß lässt es mich doch bitte wissen. In diesem Sinn, Danke, dass ihr mich so zahlreich auf meiner Reise begleitet habt, auch wenn ich am anderen Ende der Welt war.

Euch allen Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch,
Max und BaoYu

Weltreise Argentinien und Chile

Wir kommen in Humahuaca, unserem ersten Ort in Argentinien wenige Stunden nach der Grenze so gegen 9Uhr am Abend an. Vorab hatten wir noch keine Unterkunft organisiert, da ja nicht klar war wie weit wir es an diesem Tag schaffen würden. Wir wandern müde auf staubiger Straße umher und es ist ziemlich kalt. An der ersten Stelle wo ein Hotel sein sollte finden wir nichts, danach einem Pfeil folgend finden wir eine andere Unterkunft. Wir fragen nach dem Preis und sind nicht so begeistert, man möchte 700 Argentinische Pesos (ARS) pro Nacht haben, das sind umgerechnet mehr als 40USD. Allerdings bekommen wir die Information, dass in der Straße hinter der Busstation günstigere Optionen verfügbar sein sollten, also machen wir uns auf den Weg dorthin. Der Reihe nach klappern wir die Unterkünfte ab, aber die sind entweder voll, teuer oder richtig mies. Zwei Querstraßen weiter finden wir dann eine brauchbare Option und wir sagen den 130ARS pro Person inklusive Frühstück zu. Beim Bezahlen stellt sich dann heraus, dass kleine USD nicht genommen werden und die 50er und 100er nur zu maximal dem offiziellen Wechselkurs. Wir ärgern uns, hätten wir doch in Bolivien mehr Geld abgehoben und gewechselt. Wir bezahlen die drei geplanten Nächte und sind dann quasi pleite, nur 13ARS sind noch über aber das schauen wir uns dann am Tag danach genauer an. Grundsätzlich ist es in Argentinien ja seit 2016 so, dass die Währung wieder frei gehandelt wird, sprich das Umtauschen von UST zu ARS Vorort nicht mehr so lukrativ ist, wie es einmal war. Jedoch wurde uns berichtet, dass man dann doch immer noch wesentlich fährt wenn man USD Vorort umtauscht, als zum Bankomat zu gehen. Das hat vor allem den Grund, dass beim Bankomat vom dahinterliegenden Bankomatnetzwerk meist eine horende Gebühr verlangt wird und man beim „illegalen“ Umtausch immer noch 4-5% mehr bekommt, als die offizielle Rate. Unsere Unterkunft stellt sich als Glücksgriff heraus. Es steigen viele Biker dort ab, es ist interessant den Geschichten zu lauschen und auch das eine oder andere Motorrad zu begutachten. Auch in der Küche ist alles da was man braucht und es ist mehr oder weniger warm. Die Lokals trinken alle „Infusion“, also zerkleinerte Cocablätter welche mit warmem Wasser aufgegossen werden und dann mit einem Strohalm mit Filter getrunken werden, mir ist das Gemisch aber zu rass. Wir erfahren in diesem Zusammenhang, dass der Coca Konsum nur im Norden von Argentinien legal und in den anderen Gegenden und z.B. in Chile nicht erlaubt ist. Am nächsten Tag beim Frühstück serviert man uns getostetes Brot mit Marmelade und Dulce de Leche. Beim Nachfragen, ob wir noch etwas mehr Brot haben dürfen, sind wir zuerst nicht sehr erfolgreich und werden angeraunzt, später klappt das aber dann doch. Danach machen wir uns auf, eine illegale Wechselstube zu finden, aber sind nicht erfolgreich. Die Bank ist heute geschlossen, da Feiertag ist, so bleibt es bei den verbleibenden 13ARS, auch eine Zwiebel und zwei Tomaten haben wir noch, damit sollten wir für einen Tag über die Runde kommen bevor Tags darauf die Bank wieder aufmacht. Es gibt die Überlegung noch einmal über die Grenze nach Bolivien zu fahren um dort Geld und Lebensmittel zu besorgen, im Endeffekt kommt es aber, wenn man die Buskosten berücksichtigt aufs Gleiche raus und ich müsste auch alleine dorthin fahren da Bao Yu ein weiteres Visum für die Einreise nach Bolivien bräuchte. Für die 13ARS kaufen wir dann Spagetti und damit steht der Plan wie wir den Tag über die Runden zu kommen. Es fühlt sich schon anders an, so ohne Geld, wobei das ja nicht wirklich stimmt, wir könnten ja jederzeit einen 100er USD in unserem Hostel tauschen, würden dann aber 5% verlieren. Am Nachmittag sind wir dann weiter in der Stadt umher und beschließen spontan das nette aber teure Hotel, welches uns in der Nacht zuvor weitergeholfen hat zu fragen, ob wir dort Geld wechseln können. Man hilft uns und wir wechseln 40USD zu einem akzeptablen Kurs und sind damit erst einmal versorgt. Am lokalen Markt kaufen wir Obst und Gemüse und siehe da, es ist gar nicht so teuer wie angenommen, wobei wir auch hören, das sei nur im Norden von Argentinien so. Wir erkunden also die Umgebung und kosten das eine oder andere lokale Schmankerl. Das Essen ist doch wesentlich besser und etwas gewohnter als in den anderen Ländern, welche wir zuvor besucht hatten. Auf einen Ausflug mit dem Touristenbus zu den farbigen Bergen haben wir bewusst verzichtet. Dafür haben wir Tags darauf den lokalen Bus zur Ortschaft Uquia genommen eine kleine Wanderung in einer tollen und mit farbigen Bergen nur so übersähten Landschaft gemacht. Nach drei Nächten nehmen wir dann den Bus in das nächste Dorf.

Schon bei der Ankunft in Tilcara fällt uns auf, dass der Ort bei den einheimischen Touristen sehr beliebt, und daher etwas teurer ist. Ansonsten ist es aber ähnlich wie zuvor, staubig, windig, unter Tags heiß und in der Nacht ziemlich kalt. Wir finden ein kleines Hostel hinter dem lokalen Markt und wollen einige Tage hierbleiben. Wie wir dann aber die Umgebung erkunden finden wir, es nicht so wirklich speziell hier und beschließen weiterzuziehen, wohin steht noch nicht genau fest. Wir senden einige Couchsurfing Anfragen und überlegen, ob wir in ein anderes Dorf oder direkt nach Salta weiterziehen sollen. Zwei Stunden später bekommen wir dann eine Zusage, also geht es Tags darauf, nach einem leckeren Frühstück mit Früchten und frisch gepresstem Saft, weiter nach Jujuy.

Die Busfahrt nach Jujuy dauert etwa 2 Stunden wobei wir den Namen Jujuy schon vorab auf Bussen gesehen haben, uns aber nicht klar war, um welchen Ort es sich dabei genau handelte, da auf unserer Karte zwar der Staat Jujuy eingezeichnet war, allerdings nicht der Ort Jujuy. Eine kurze Recherche hat das Rätsel dann aber gelöst, bei dem Ort Jujuy handelt es sich um die Hauptstadt des Staates Jujuy, auch genannt San Salvador de Jujuy. Es war geplant, dass unser Host Luis uns zu einer bestimmten Zeit vom Busbahnhof abholt, unser Bus ist aber stattdessen zum ehemaligen Busbahnhof gefahren. Wir haben dann, zuerst bei einer Telefonzelle und danach mit einem geborgten Handy versucht ihn zu erreichen und die Änderung zu schildern. Wenige Minuten später ist alles gut und wir sitzen gemeinsam im Auto und es geht ab in Richtung eines Vororts von Jujuy, genannt San Pablo de Reyes. Am Weg dorthin holen wir bei einer netten Dame das Mittagessen ab, eine Tradition die sich in den nächsten Tagen wiederholen wird, sofern wir nicht gerade selbst kochen. Beim Haus angekommen werden wir von zwei Hunden, Max und Ralf begrüßt. Am Anfang ist es ganz lustig, wenn jemand Max sagt, ist oft nicht ganz klar, bin das jetzt ich, oder der Hund. Später bitte ich dann mich Maximilian zu rufen, dann wird das einfacher. Neben der Waschmaschine steht ein Schlagzeug, oh wie ich mich freue mal wieder spielen zu können. Auch Bao Yu mag das Schlagzeugspielen und so bringe ich ihr einige Rhythmen bei. In den nächsten Tagen erkunden wir die Innenstadt von Jujuy etwas und finden mit 18,5ARS/USD zum ersten Mal in Argentinien einen guten Wechselkurs. Der offizielle Kurs ist gerade bei 17,2ARS/USD sprich, wenn wir einen 100er oder 50er wechseln bekommen wir 6% mehr als in der Bank. Die Tage vergehen im Flug und wir fühlen uns nach einigen Tagen richtig wohl, paradiesisch ist es hier, könnte man sagen. Das Haus liegt etwas abseits, ist ruhig und hat einen großen Garten mit vielen Bäumen rundherum. Wir beschließen lange hierzubleiben, um nach dem etwas rascheren Reiserhythmus der letzten Wochen etwas zu entspannen. Der jüngere der beiden Hunde, Ralf, ist am Anfang gerade für Bao Yu nur schwer zu bändigen. Nach einiger Zeit gelingt aber auch dies ganz gut. Wir essen viel frisches Obst und Gemüse hier. Fast schon als Tradition gibt es nach dem Essen frische Früchte für alle, das inkludiert auch die Hunde die gerade so nach Orangen betteln. Interessant, dass denen das so schmeckt, habe ich bis jetzt noch nicht gesehen. Oftmals kochen wir dann auch spontan, mal Palatschinken zum Frühstück oder etwas Chinesisches zum Abendessen. Danach am Kaminfeuer erzählen wir dann die eine oder andere Reisegeschichte. Bei mir sind über die Zeit jetzt doch schon einige Geschichten zusammen gekommen, so habe ich mir erlaubt eine Übersichtseite im Blog einzurichten. Eines Samstags Abends sitzen wir wieder bei einem Glas Wein und reden und reden, dann kommt die Idee auf, wir könnten doch in die Stadt fahren, eines der traditionellen Lokale zu besuchen, um der lokalen Musik zu lauschen. Gesagt getan und so sind wir so gegen 11 in die Stadt aufgebrochen. Zuerst ist eher wenig los, aber dann wie der Barbesitzer mit zwei anderen loslegt kommt langsam Stimmung auf. Gespielt wird auf zwei Gitarren mit Gesang dazu und einer lokalen Trommel, welche jeweils am Fell und auch am Rand gespielt wird. Musikalisch ansprechend und so genießen wir den Abend. Später fangen die Leute langsam an zu Tanzen, ein lustiger Tanz neben Samba ist der lokal typische Chacarera. Wer sehen möchte, wie das aussieht kann das z.B. hier auf Youtube tun. Später fängt dann eine weitere Band aus Cordoba an zu spielen, es dauert etwas, bis die Leute warm werden aber schon bald kommt Stimmung auf und es wird wieder viel mit geklatscht und getanzt. Wir steigen von Wein auf Fernet con Coca um, was scheinbar im Norden von Argentinien sehr beliebt ist, wenn man so auf die anderen Tische schaut. Später wird die Band dann mit einigen Mitgliedern der zuvor spielenden Band verstärkt und es geht richtig rund. Wir bekommen weitere Drinks auf Haus, Bao Yu wird zum Chacarera aufgefordert und es gefällt uns sehr. Wir sind alle traurig, als es dann so gegen 5Uhr am Morgen zu Ende geht und wir nach Hause müssen. Die nächsten Tage vergehen nur so im Flug und schön langsam müssen wir an eine Weiterreise denken. Zuerst ringen wir uns durch loszuziehen, dann beschließen wir aber noch ein paar Tage zu bleiben, aber es kann nicht ewig gehen, da ja bald der Heimflug in Lima auf uns wartet. Wir arbeiten gemeinsam im Garten, essen und plaudern viel aber dann geht es weiter nach Salta, um den Bus über die Berge nach Chile zu nehmen. Beim Abschied sprechen wir eine Einladung an Luis aus, er möchte uns doch bald besuchen. Traurig unser kurzzeitiges zu Hause verlassen zu müssen besteigen wir den Bus nach Salta.

Wie wir im Busterminal in Salta ankommen prüfen wir zuerst die Optionen, wie wir weiter über den Paso de Jama (4800m) nach Chile weiterreisen können. Es gibt um etwa 45USD einen Bus, der um 7Uhr am Morgen fährt, jedoch nicht jeden Tag. Wir wollten in Salta ja eigentlich nur zwei, drei Nächte bleiben. Nachdem aber der Bus nur Tags darauf aber nicht am Tag danach fährt und es eher kalt und ungemütlich ist, beschließen wir den Bus am Tag darauf zu nehmen. Wie wir dann in der Stadt umherstreifen fällt uns auf, dass es den Lokals hier nicht so wirklich gut geht. Es gibt viele Anzeichen von Armut, sogar für den Kauf von Schuhen oder einfacher Kleidung werden Kreditoptionen angeboten. Wir kalkulieren wie viel Geld wir noch brauchen und finden in Nähe des Stadtzentrums einige Leute, welche Geld auf der Straße wechseln. Um ein bisschen mehr als den offiziellen Kurs tauschen wir einige 5er USD ein, um Essen und Busticket kaufen zu können. Danach geht es zurück zu unserem Hostel in der Nähe der Busstation und wir kochen Abendessen und für die Fahrt und gehen Früh ins Bett. Früh am Morgen geht es los und wir sind ein bisschen aufgeregt. Im Bus bekommen wir Frühstück serviert, super, das hätten wir so nicht erwartet. Es ist rumpelig und mir fällt bei einer Unebenheit der Kaffee in die Hose …oje, es ist kurz heiß, dann die nächsten zwei Stunden etwas nass aber dank meiner Reisekleidung ist es schnell wieder trocken. Die Landschaft ist außergewöhnlich beeindruckend, wir kommen an Bergen, Salzwüsten, Seen, Vulkanen und Schneefeldern vorbei und erreichen relativ rasch die Grenze. Bei der Einreise nach Chile möchte man unsere Mandarinen und Bananen haben (und wahrscheinlich auch verspeisen), wir verweigern, essen was uns schmeckt und verschenken den Rest an die anderen Mitreisenden. Nach der Grenze geht es noch weiter hinauf, auf über 4800m, viele der Leute haben leichte Beschwerden wegen der Höhe, für uns passt aber alles da wir ja gerade von Bolivien kommen und die Höhe gewohnt sind. Die Landschaft ist auch hier besonders, einziger Unterschied, es geht langsam aber sicher wieder hinunter ins Tal.

Am späteren Nachmittag kommen wir wie geplant in unserem Zielort, San Pedro de Atacama an. Die Suche nach einer Unterkunft stellt sich als Problem heraus, da scheinbar alle günstigen Optionen belegt sind. Wir hätten einen Tag zuvor etwas reservieren sollen, dann hätte es nur die Hälfte gekostet, aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Wir nehmen die günstigste verfügbare Option, eine schlichte Unterkunft und bezahlen etwa 25USD. Wie wir dann später herumschlendern und Obst und Gemüse kaufen wollen sehen wir, der Ort ist ein Touristennest. Alles ist ziemlich teuer und Lokals kommt man kaum zu Gesicht. Es scheint so, als würde der Ort als Hub dienen, um die Attraktionen rings umher zu erreichen und Abends waren auch einige Trinkgelage zugange. Wir machen eine grobe Kalkulation wie viel Geld wir in Chile brauchen und ich versuche USD zu wechseln aber der Kurs ist wesentlich schlechter als offiziell, so hebe ich vom Bankomat die Maximalsumme von 200.000 Chilenischen Pesos (CLP) ab, was jedoch mit 5% Spesen etwas mehr kostet als normal. Tags darauf beschließen wir mindestens bis in die nächste Stadt Calama weiterzuziehen.

Die Busfahrt nach Calama geht ungeplanterweise in einem VIP Bus vonstatten, da dieser Bus zum selben Preis wie die anderen lokalen Busse fährt. Die zweistündige Busfahrt kostet 3000CLP pro Person, was knapp 5USD entspricht. In Calama machen wir uns zuerst auf eine Unterkunft zu finden. Auch einige Couchsurfing Anfragen sind noch offen und wir prüfen die Optionen. Die Stadt sieht interessant aus, man sieht viele Sandler und Hippies in den Straßen und auch wenig bekleidete Damen sind zu sehen. Als wir dann aber keine Rückmeldung zu den Couchsurfing Anfragen bekommen und auch die Unterkünfte nicht wirklich brauchbar sind beschließen wir spontan ein Airbnbschnäppchen um 24USD/Nacht in Iquique zu reservieren und mit dem Bus gegen 16Uhr dorthin weiterzufahren. Die Busfahrt hatte es in sich, denn nach etwa 20 Minuten Fahrt hat der Bus dann auf einmal angehalten, mitten im Nirgendwo. Komisch denken wir uns, was ist da los. Wenige Minuten später ist klar, der Motor ist überhitzt und eine Weiterfahrt aktuell nicht möglich. Wir denken uns, das ist sicher kein Problem, die Stadt ist ja nur 20 Minuten weg, aber im Endeffekt dauert es zweieinhalb Stunden, bis der Ersatzbus auftaucht. Die Stimmung der Personen war schon etwas gereizt, einige haben sehr konstruktiv versucht das Problem zu beheben, zumindest die Ursache, ein undichter Schlauch konnte nach etwa 2 Stunden gefunden werden. Andere Leute haben sich lautstark aufgespielt und ich dachte schon, jetzt kommt es gleich zu einer Schlägerei. Wir sind etwas beunruhigt, da unser neuer Host nicht Bescheid weis, dass wir wesentlich später, also mitten in der Nacht ankommen. Wir versuchen einige Telefonate mit verschiedenen Telefonen und schließlich klappt die Verbindung und wir geben Info.

In Iquique kommen wir in der Busstation so gegen 11 am Abend an und nehmen uns um 2.500CLP ein Taxi zu unserer Unterkunft. Unser Host empfängt uns herzlich und wir fallen müde ins Bett. Tags darauf bekommen wir dann gleich zwei Couchsurfing Zusagen für unseren letzten Ort, Calama aber na ja, so ist das manchmal. Wir erkunden in den nächsten Tage den Strand und das Stadtzentrum sowie die diversen Märkte. Es gefällt uns hier und die Leute sind nett. Sogar zu einem Supermarkt Einkauf können wir uns durchringen, quasi Augen zu und durch, die Preise sind etwa auf europäischem Niveau oder etwas darüber. Auch einen großen lokalen Markt besuchen wir. Die Qualität der Früchte ist hier wesentlich besser, als an den letzten Orten, an denen wir waren, auch interessant ist, dass die Leute mit den Autos in den Markt hineinfahren um dann die Waren direkt ihn ihren Kofferraum einzukaufen. Einige Tage später brechen wir dann auf in Richtung Peru, zuerst nehmen wir am Morgen einen Bus bis nach Arica, dann geht es mit einem lokalen Bus weiter über die Grenze nach Tacna. Bei der Grenzüberquerung nehmen wir diesmal unsere Früchte und den Salat nicht zur Kontrolle mit, sondern lassen es, wie bei den anderen Lokals auf der anderen Grenze gesehen, im Bus. Die Kontrolle ist aber sehr genau und unsere Mandarinen werden mitgenommen, den Salat dürfen wir jedoch behalten, hurra. Die Fahrt nach Tacna ist nicht weiter aufregend und so kommen wir dort am frühen Nachmittag an. Weitere Details zu Tacna dann im nächsten Post.

Mittlerweile geht es in den Endspurt, denn die Reise geht schön langsam dem Ende entgegen. Geplant ist nach Tacna weiters Arequipa, Lima und Bogota zu besuchen und von dort aus dann einen Flug über Madrid nach München und den Zug nach Salzburg zu nehmen.

Liebe Grüße,
Max

Weltreise Bolivien, La Paz, Quime, Cochabamba, Oruro, Sucre und Potosi

Wie schnell doch Zeit und Weg vergeht, vor „kurzem“ (etwa eineinhalb Monate zuvor) waren wir noch in Peru und jetzt sind wir schon in Argentinien. In diesem Post möchte ich vor allem von Bolivien berichten. Leider hat Bao Yu nur ein Visum für 30 Tage bekommen und so hat sich unser Reisestil etwas gewandelt. Zuvor, hatten uns andere Reisende noch berichtet, es wäre in Bolivien besonders günstig und die Infrastruktur nicht so toll, wir hatten zu beiden Dingen aber andere Erfahrungen gemacht, aber nun alles der Reihe nach.

Wir sind also nach unserem Choquequirao Trek nach einigen Tagen Rast von Cusco weiter nach Puno am Titikaka See aufgebrochen. Der Plan war dann von Puno (in Peru) aus weiter die Grenze nach Bolivien zu überqueren und es innerhalb eines Tages bis nach La Paz zu schaffen. Wie wir am Busterminal ankommen heißt es, heute kein Bus nach Puno, es wird gestreikt. Wir sehen viele Touristen welche in der Busstation festsitzen, zuerst überlegen wir noch eine Nacht in Cusco zu bleiben aber dann beschließen wir herumzufragen, das kann doch nicht sein. Bao Yu findet dann jemanden welcher eine „Lösung“ für uns parat hat, angeblich soll es einen Bus nach Juliaca geben, welcher in ca. 20 Minuten abfährt. Wir sagen dem etwas erhöhtem Preis (25 statt 15) zu und danach verschwindet der Typ mit unserer Ausweiskopie und dem Geld. Für einen Moment denken wir schon, den sehen wir nie wieder aber dann später kommt er wieder zurück, mit einem etwas komischen Ticket für uns aber ok. Danach verlassen wir gemeinsam mit ihm das Busterminal und in einer Straße vor dem Busterminal stehen viele Lokals und warten auf den Bus, angeblich bis nach Juliaca oder sogar nach Puno soll er gehen, so sind wir beruhigt. Wir sind also guter Dinge im Bus, es geht zügig voran und die Landschaft ist großartig. Dann am Ende einer langen langen Hochebene auf rund 4000m auf einmal Stau, aha, das wird dann doch der versprochene Streik sein. Unser Bus fährt dann an den parkenden Autos, Bussen und LKWs vorbei bis Nähe der Blockade aber dann ist Schluss. Wir steigen aus und wandern herum. Ich möchte, nachdem nicht klar ist, wann es weitergeht und viele Motorräder herum flitzen, die Sperre sofort manuell passieren. Wir warten etwa zwei Stunden, bekommen die verschiedensten Informationen aber dann brechen einige der anderen Lokals auf und so auch wir. In wenigen Minuten machen wir es zu Fuß zur ersten Sperre. Ich dachte schon, ah, das war einfach aber die haben nicht die Straße an einem Ort gesperrt, sondern an vielen verschiedenen Stellen. Hinter einigen LKWs versteckt finden wir zwei Lokals mit Motorrädern welche und auf Umwegen für 8Sol auf die andere Seite bringen. Wir sagen zu und los gehts, manchmal müssen wir absteigen und an der Sperre vorbeigehen und dann ums nächste Hauseck geht es mit dem Motorrad weiter. Später dann treffen wir auf eine Prozession, sofern ich die Plakate richtig lese, geht es den Einheimischen u.a. um Umweltschutz und angeblich soll nach diesem letzten großen Protest die Sperre wieder aufgehoben werden, na toll. Wir nehmen ein weiteres Motorrad, diesmal eines gemeinsam für 3Sol zu einer Zollstation auf der anderen Seite. Viele Einheimische warten dort schon auf weitere Transportmöglichkeiten aber alle Autos die vorbeikommen ignorieren uns. Etwa eine halbe Stunde später sieht es dann so aus, als wäre die Sperre nun aufgehoben und wir sind uns nicht ganz sicher, ob wir auf unseren Bus warten sollen oder nicht, nehmen dann aber den ersten Bus der stehenbleibt. Der Busfahrer fragt nach 10Sol nach Juliaca was etwas viel ist, wir bleiben dann aber im Bus bis nach Puno sitzen, dann passt das auch. Insgesamt hat uns das „Abenteuer“ rund 40Sol (10Euro) extra gekostet, das „normale“ Ticket nach Puno wäre um 20Sol pro Person zu haben gewesen, also doppelter Preis aber eine interessante Erfahrung reicher.

Am frühen Abend kommen wir müde und hungrig in Puno an. Unser Hotel haben wir zuvor auf der Karte markiert, so steigen wir mitten auf der Straße aus und wandern zu der genannten Adresse. Das Hotel hatte uns zuvor gedrängt, dass die Stadt sehr gefährlich sei und wir vom Busterminal abgeholt werden müssten, ich habe dem aber widersprochen und gesagt wir finden selbst dorthin (bzw. wollte auch die zusätzliche „Transportgebühr“ nicht zahlen). Als wir dann an der genannten Adresse ankommen finden wir nur ein Restaurant aber kein Hotel. Ich bewache das Gepäck und Bao Yu nimmt Kontakt zu den Einheimischen auf. Ein Telefonat später erklärt sich die Geschichte, das Hotel ist an einer anderen Adresse, interessant denken wir und machen uns auf den Weg. Etwa 10 Minuten später treffen wir einen Hotelangestellten und wandern dann gemeinsam zum Hotel. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um ein anderes Hotel hat welches den Namen und die Bewertungen des Hotels zuvor übernommen hat. Ich erwähne das entsprechend und teile mit, dass wir das so nicht akzeptieren können. Danach verhandeln wir hart und bekommen einen angemessenen Rabatt. Die folgende Nacht ist sehr kalt, sowie unsere Dusche aber Tags darauf bei einem umfangreichen Frühstücksbuffet sind wir zufrieden und guter Dinge. Wir sind danach in der Stadt umher, Zentrum, Busstation, Aussicht am Hügel, lokaler Markt und so weiter, das übliche. Was auffällt, dass Puno für eine Touristendestination noch immer sehr günstig ist, so zahlen wir für z.B. für Almuerzo/Cena (Mittag-/Abendessen) etwa 3-4Soles. Der See war, wie erwartet, zwar groß aber nicht wirklich eindrucksvoll und so haben wir auf eine der Touren zu der traditionellen schwimmenden Inseln verzichtet. Zum Mittagessen hatte ich Bao Yu dann zur Abwechslung in eines der chinesischen Restaurants in Peru, genannt CHIFA, gebracht. Wie wir eine scharfe Sauce zu unserem gebratenen Reis bestellen freut sich Bao Yu sehr, die Sauce kommt ihr bekannt vor. Auf Nachfrage konnten wir dann beim Restaurant ein ganzes Glas der Sauce erstehen. Am Nachmittag gab es dann in der Stadt dann schon wieder Proteste und angeblich sollten diese auch die nächsten Tage, rund um einen Nationalfeiertag, andauern. Wir haben danach dann beschlossen Puno zu verlassen und den Bus in der Früh nach La Paz zu nehmen. Das ausgestellte Busticket geht zwar nach La Paz laut mündlicher Information, am Ticket selbst ist aber nur Copacabana vermerkt, interessant denken wir uns. Die Busfahrt beginnt eine Stunde früher als geplant wegen der Proteste und wir stehen gegen 5:30 auf und machen uns auf dem Weg zum Bus. Die Busfahrt verläuft ohne große Ereignisse dem See entlang. Dann zuerst den Stempel in Peru holen, über die Grenze spazieren, einen weiteren Stempel in Bolivien und wieder in den Bus, fertig. Die Grenzbeamten waren nicht so wirklich freundlich, so wurde mir mein Pass mit so einem Schwung zurückgeworfen, dass ich ihn quasi fast vom Boden aufheben musste. Mit dem Bus ging es dann weiter und 5 Minuten später besteigt ein lokaler „Beamte“ den Bus und möchte von jedem 2 Bolivianos „lokale Steuer“ einheben. Einige Leute protestieren, sie wären nur auf der Durchreise aber der Beamte bleibt hart. Ich hatte zuvor meinen kleinsten Peso Schein, einen 50er, in einen 100 Boliviano Schein gewechselt. Der Beamte meint, er kommt später mit Wechselgeld auf mich zu, hat uns aber dann galant ignoriert. Dann wie wir im Ort hinter der Grenze in Copacabana ankommen heißt es alles aussteigen, der Bus fährt nur bis hier und weiter geht es mit einem lokalen Bus in einer Stunde. So hatte man uns das beim Ticketkauf in Puno nicht erzählt aber ok. Wir schlendern etwas herum, bei dem BancoFi Bankomaten konnte ich 2000 Bolivianos(Bs) (etwa 240 Euro) abheben, damit sind wir fürs Erste flüssig. Die Aufteilung der Busse findet dann etwas chaotisch statt und als Ticket wird das bestehende Ticket verlangt und eingesammelt. Die von Peru doch schon gewohnten Sicherheitsmerkmale beim Bus (jeder wird mit ID registriert, der Koffer bekommt ein Pickerl mit einer Nummer und wird nur ausgegeben, wenn man den Gegenbeleg hat, etc.) sind in Bolivien scheinbar nicht üblich. Es geht im Bus dahin in hügeliger Berglandschaft bei perfekten Straßenverhältnissen, der Ausblick zum See ist manchmal ziemlich beeindruckend. Als wir den Lago Titikaka dann an einer Stelle queren heißt es erneut, alles aussteigen und bitte das andere Boot nehmen und die Überfahrt selbst zahlen, aha. Danach geht es weiter in gewohnter Manier und zu dem Ausblick zum See kommen jetzt noch einige Fünftausender dazu bevor wir einige Stunden später am Nachmittag im Busterminal in La Paz eintreffen.

Von der Busstation wandern wir in Richtung Altstadt von La Paz, um eine Unterkunft zu finden, aber wir sind nicht erfolgreich. So nehmen wir uns um 2Bs ein Collectivo und fahren zu einem Hotel, welches wir zuvor ausgesucht hatten. Dort empfängt man uns herzlich, jedoch beim Preis möchte man 13% „Steuer“ mehr haben als das zuvor angegeben war. Ich bleibe hart in der Diskussion und betone, dass hier ein Fehler vorliegt, dass das nicht mein Problem sei und das sich alle an das Gesetz halten müssen, auch dieses Hotel. Schlussendlich, 20 Minuten Diskussion später und nach Vorlage des bolivianischen Gesetzestextes, welchen ich bevor wir nach Bolivien kamen hier, gefunden habe, wurde der angegebene Preis (von 114Bs) akzeptiert und man wurde sehr freundlich zu uns. Wir haben irgendwie aber ein ungutes Gefühl bei der Sache und so machen wir uns am Abend in die Stadt auf, um weitere Unterkünfte zu finden. Am Weg sehen wir viele Metallboxen, zuerst ist nicht klar was das ist aber wie wir dann eine Dame beim Zusammenpacken sehen ist klar, das sind die kleinen Straßenläden, welche wir überall gesehen haben, dass die auf ein so kleines Format zusammengepackt werden können, hätte ich mir nicht gedacht. In dieser Nacht finden wir in der Nähe des Zentrums eine Straße mit Optionen, es gibt eine Unterkunft um 90Bs sogar mit Küche, dorthin könnten wir am nächsten Tag umziehen. Am Rückweg dann noch schnell ein Abendessen, zuerst Hühnersuppe um 13Bs, dann Pasta Integral con Huevo, also Vollkornnudeln mit Ei um 5Bs. Am Abend finden wir dann in AirBnB eine gute Unterkunft für zwei Tage später um 70Bs, aber der Eigentümer reagiert vorerst nicht, so senden wir eine Buchung aber wissen nicht so recht, ob das was wird oder nicht. Tags darauf wie wir dann in unserer geplanten neuen Bleibe ankommen ist diese aber nach wie vor voll, so bewache ich das Gepäck und Bao Yu macht sich auf, um einige Straßen weiter die Unterkünfte zu checken. Wir finden eine in der „Hexengasse“ um 70Bs mit Küche und nettem Innenhof und ziehen dorthin um. So schwierig wie in La Paz war das mit der Unterkunft schon lange nicht mehr, aber endlich fühlen wir uns, als wären wir wo „angekommen“. Dann wie wir gerade beim Auspacken des Gepäcks sind bekommen wir die Info von AirBnB, dass unsere Buchung für Tags darauf akzeptiert wurde, hurra, das heißt wir ziehen Tags darauf erneut um, aber was soll’s. Nach dem Einchecken erkunden wir weiter die Stadt und es gefällt uns hier. Beim Verhandeln des Preises mit den Gemüsedamen auf der Straße fällt uns sehr schnell auf, dass hier ein etwas rauerer Wind weht und in vielen Bereichen die Leute eher „müde“ sind weitere Touristen zu sehen aber nach einigen Tagen finden wir die richtige Gasse. Überall in der Stadt (und generell in Bolivien) sind politische Graffiti, vor allem mit Si, Vota und Evo zu sehen. Das hat mit dem aktuellen Präsidenten (Evo Morales) zu tun welcher 2020 bzw. 2025 wiedergewählt werden möchte aber auch die dazugehörenden No’s und Schmierereien sind natürlich vorhanden. In einer historischen Straße entdecken wir am Nachmittag einige alte Damen welche Teigtaschen (eine Mischung aus Bauernkrapfen und gebackener Maus) in Öl heraus braten. Wir bestellen eine Teigtasche mit Api und dann noch eine Runde. Api, das ist eine Art warmer Fruchtsaft in verschiedenen Sorten. Beides ist sehr lecker und mit 5Bs für den Api und 2Bs für die Teigtasche mit Honig oder Zucker auch preiswert. Am Abend in der Unterkunft kochen wir selbst, es gibt chinesische Küche, auch wenn die Küche etwas klein und dürftig ausgestattet ist. Tags darauf machen wir uns zu unserer neuen Unterkunft am Hügel auf. Die Busse stecken im Stau fest und so gehen wir die knapp 500 Höhenmeter zu Fuß. Am Straßenübergang werden wir von Zebras begrüßt, wie es uns geht, hallo und so, das dürfte eine Initiative sein zum Schutz der Fußgänger beim Fußgängerübergang, denn oftmals ist der Verkehr in La Paz etwas gefährlich. Als wir dann in unserer neuen Unterkunft am Hügel ankommen können wir unser Glück kaum fassen. Das Haus ist richtig toll, wir haben ein eigenes, großes Zimmer, Frühstück mit Fruchtsaft wartet auf uns, der Ausblick ist gut und die Leute sind richtig nett zu uns. Später wie wir dann ins Gespräch kommen stellte sich heraus, dass unser Host etwas unsicher war, weil wir ihre ersten Gäste sind und sie uns und die Applikation nicht wirklich kennt. Nachdem wir aber dann ein Foto von uns gesendet hatten, war das Eis gebrochen und alles gut. In den nächsten Tagen haben wir La Paz natürlich ausgiebig erkundet. Es gibt hier keine wirklich großen Supermärkte, sondern stattdessen geht man in die jeweilige Gasse und kann dort die Produkte zu einem oft weit besseren Preis kaufen. In der Stadt gibt es bereits einige Gondeln als öffentliches Transportmittel. Wir ließen es uns nicht nehmen um 3Bs die Gondel von Dopplmayr von dem Zentrum von La Paz nach El Alto, einer Vorstadt auf 4100m zu nehmen und den Ausblick zu genießen. Teilweise sind die Gondelstationen sehr geschickt in das Straßenbild integriert, so z.B. in die Mitte eines Kreisverkehres. Hier in Bolivien kommt die Schreibmaschine nach wie vor intensiv zum Einsatz. So sind ganze Straßen vor den Anwaltsbüros voll mit Schreibern welche die diversen Schriftstücke verfassen (dürfte eine legale Vorgabe sein, dass bestimmte Schreiben nur als Maschinenschrift akzeptiert werden). Wie bereits in Huaraz gab es auch hier in La Paz einen großen Studentenumzug, welcher u.a. von der staatlichen Brauerei gesponsert wurde. Unser Host war Teil des Umzugs und hat uns natürlich dazu eingeladen. Die Energie, die wir bei den Tänzen sahen stellt alles bisher gesehene in den Schatten, wir sind den ganzen Tag umher und bestaunen die wilde Menge, wenn ich auch am Nachmittag schön langsam etwas müde werde und uns die intensive Sonne zusetzt. Es werden viele unterschiedliche Stile getanzt, jeweils vom Typ der Universität und der Herkunftsregion abhängig. Einige der Zuschauer verhalten sich komisch uns gegenüber und wir mögen auch nicht, dass die Sitze zum Zuschauen zum Touristenpreis verkauft werden, das trübt unsere Erfahrung dort ein bisschen. Generell ist zu sagen, dass La Paz bei weitem teurer ist als uns das von anderen Reisenden berichtet worden ist, bzw. für uns ist der Preisunterschied mit Peru verschwindend gering, dass Bolivien einmal sehr günstig war, mag sein, ist aber schon seit einigen Jahren nicht mehr so. So kostet ein einfaches Zimmer für zwei 70-100Bs, ein Essen etwa 10-15Bs. Im Gegensatz dazu finden wir in Bolivien eine gute Infrastruktur (Straßen, Transportmittel, etc.) vor, bei weitem besser als Peru würde ich sagen. In den nächsten Tagen sind wir noch intensiv in La Paz umher aber nach gesamt 5 Tagen beschließen wir weiterzuziehen da uns ja gesamt nur 30 Tage zur Verfügung stehen. Tags darauf geht es dann mittels Collectivo zur Seilbahnstation, von dort dann zwei Seilbahnfahrten weiter nach El Alto und dann gehen wir von der Station zur Bushaltestelle um den Bus nach Quime zu erwischen. In der Busstation stellte sich aber heraus, der Bus fährt in der Nähe einer anderen Busstation in Calle 2 ab, also nehmen wir ein weiteres Collectivo und fragen uns am nächsten Ort durch. Mittlerweile praktizieren wir Synchron-Befragung, also Bao Yu und ich fragen verschiedene Leute nach derselben Information und danach vergleichen wir unsere Ergebnisse, das hat bis jetzt ganz gut funktioniert. Wenige Minuten später haben wir ein Busunternehmen gefunden, welches in 15 Minuten abfährt und uns um 20Bs direkt nach Quime bringt, perfekt.

Die Busfahrt nach Quime ist zuerst nicht weiter spannend, es staut in La Paz. Dann tankt der Bus in einer Tankstelle viele hundert Liter, um diese wahrscheinlich danach in Quime wieder zu verkaufen. Danach geht es weiter einer Autobahn folgend in Richtung Süden nach Conani. Dort verlassen wir die Autobahn und folgen eine kleiner Straße, die letzte halbe Stunde ohne Asphalt bis nach Quime. Ursprünglich war ja geplant gewesen, Quime von der anderen Seite her zu erreichen, also zuerst nach Coroico zu kommen und dann nach Chulumani oder Irupana. Von dort aus war aber nicht klar, ob man mit öffentlichen Transportmitteln weiter bis nach Quime kommt und nachdem es sich dabei um die „Straße des Todes“ handelt, wollten wir nichts riskieren. In Quime selbst haben wir uns dann nach einer Unterkunft umgesehen, aber die Optionen waren eher dürftig. Wir haben uns dann für ein kleines Familienhotel um 80Bs in Nähe des Platzes entschieden, u.a. da uns dort gestattet wurde in der Restaurantküche zu kochen was sich aufgrund der großen Töpfe und des großen Feuers als sehr interessant herausstellte. Am nächsten Tag erkunden wir die Umgebung aber erkennen schnell, dass die Information welche da so nett auf Wikivoyage präsentiert wurde, von einem der lokalen Anbieter bewusst ins Netz gestellt wurde, um Reisende nach Quime zu locken. Wir haben dann mit den Lokals auf dem Platz Kontakt aufgenommen, dort in Ruhe ein Buch gelesen und bei Gelegenheit selbst gekocht. Auf dem lokalen Markt haben wir einige lecker aussehende knallrote Würste erstanden, welche wir zum Frühstück essen wollten, aber die wollten uns so gar nicht schmecken und später hat sich unser Magen ordentlich darüber beschwert. Tags darauf haben wir versucht mit unserem Host aus La Paz Kontakt aufzunehmen da wir in das Familienhaus in Cochabamba eingeladen wurden und dorthin Tags darauf fahren wollten. Die Kontaktaufnahme hat sich dann ganz schön schwierig gestaltet, das Telefon hat zuerst nicht funktioniert, dann keine Antwort auf eine Nachricht bekommen. Schlussendlich haben wir dann beschlossen Tags darauf einfach loszufahren und im Fall des Falles eine andere Unterkunft zu nehmen. Zuerst nehmen wir einen lokalen Bus zurück nach Conani bevor wir in einen weiteren Bus nach Cochabamba steigen. Den Zwischenstop für einige Tage in Oruro hatten wir bewusst für später geplant, da die Straße zwischen Cochabamba und Sucre angeblich sehr schlecht sein soll und wir daher vorhatten zuerst nach Cochabamba zu fahren, dann zurück nach Oruro und dann weitere nach Sucre. Die Busfahrt nach Cochabamba stellte sich als sehr mühsam heraus, da man das Fenster vor uns nicht vollständig schließen konnte und die Straße gerade neu gemacht wurde, sprich wir auf der staubigen Schotterpiste unterwegs waren und uns der Staub in Nase und Mund kroch. Mittels Tuch wurde dann schnell Mund und Nase zugebunden, dann war das mehr oder weniger erträglich.

Wie wir dann am Nachmittag in Cochabamba ankommen wissen wir nicht so recht wo wir jetzt hinsollen. Am Busterminal gibt es sporadisch Wifi aber unser Host hat uns bis jetzt keine Adresse zukommen lassen. Wir versuchen anzurufen und schlussendlich bekommen wir einige Infos. Wir sollen vor dem Terminal ein Trufi, eine Art shared Taxi um 1,9Bs nehmen, ok. Als wir auf die Straße gehen ist es dort sehr dicht gedrängt, die Trufi Nummer, welche wir nehmen sollen kommt nicht vor, so fragen wir uns durch und nehmen dann eine andere Nummer in die Nähe der Straße. Wie wir dann versuchen die Hausnummer zu finden sind wir etwas verwirrt, denn die Straße hat keine Hausnummern. Es wird schön langsam Abend und wir bitten jemanden auf der Straße doch bitte unseren lokalen Kontakt anzurufen und zu fragen, wo das denn genau ist. Gesagt getan und dann, wenige Minuten später, finden wir die Baustelle. Man empfängt uns herzlich, auch ein Hund ist dabei und Bao Yu darüber besonders „erfreut“. Dann im obersten Stock wo wir wohnen sollen sind alle Räume verschlossen, sprich kein Bad, Klo oder Schlafzimmer und ziemlich staubig. Ich bin etwas verwirrt und rufe nochmals unseren Host in La Paz an, dort wird mir versichert, dass die Zimmer später geöffnet werden aber ich will das nicht so recht glauben. Mittlerweile ist es dunkel und ich sitze gemeinsam mit Bao Yu am Fenster und wir genießen den Ausblick über die Stadt nur etwas und prüfen unsere Optionen. Schlussendlich beschließen wir zu mindestens die erste Nacht dort zu verbringen, wir benützen dann das Bad der Nachbarn und man borgt uns auch zwei Decken. Dann schieben wir das Sofa und einige Sofasessel zusammen und schon haben wir ein behelfsmäßiges Bett gebaut. Später ist dann noch geplant gewesen den Schlüsseldienst zu holen aber wir haben abgelehnt und gesagt, das passt schon so, wir möchten da nicht extra Umstände machen bzw. weitere Kosten haben. Als wir Tags darauf aufwachen haben wir gar nicht schlecht geschlafen, u.a. weil es in Cochabamba wesentlich wärmer ist, als in all den Orten, an denen wir zuvor waren. Ich gehe kurz ums Eck etwas Frühstück kaufen und als wir dann gemeinsam frühstücken geht es uns gut. Die Mutter unseres Hosts hat uns dann kontaktiert und mitgeteilt, dass sie einen Flug gebucht hat und am Nachmittag mit den Schlüsseln kommt, somit ist alles gut und wir beschließen einige Tage dort zu bleiben. Wir sind natürlich in der Stadt umher und besonders die lokalen Märkte hatten es uns angetan, da es hier Obst und Gemüse in Hülle und Fülle gab und zu ziemlich guten Preisen. Der Preis wird hier meist in Cuadril (3kg) oder in Doze (12 Stück) angegeben. Die Verkäufer sind darauf bedacht eine möglichst große Menge loszuwerden, so bekommt man den guten Preis meist nur dann, wenn man viel abnimmt, einige Beispiele: Cuadril Tomaten 10Bs, Doze Bananen 3Bs, ein Glas frisch gepresster Saft 1Bs. In der Nähe des Marktes sind auch unglaublich viele Leute, vor allem ältere Weiblein, mit ihren Karren unterwegs und jeder verkauft irgend etwas. Ist ganz lustig sich irgendwo am Rande hinzusetzen und das Getümmel und die diversen Preisverhandlungen eine Weile zu beobachten. Wieder zuhause angekommen waschen wir einige Kleidungsstücke und hängen sie auf der Dachterrasse zum Trocknen auf. Danach kommt dann die Mutter unseres Hosts aus La Paz an und wir können ab sofort eines der Zimmer und auch das Bad nützen. Am Abend gehen wir gemeinsam auf eine Pizza aus und alles scheint in Butter. Als wir Tags darauf die Wäsche holen wollen, hat der Lieblingspyjama von Bao Yu Bekanntschaft mit dem Hund gemacht und der Schaden ist mittels Nadel und Faden nicht mehr wirklich reparierbar. Am Nachmittag in der Stadt treffen wir auf eine weitere Parade von Schülern, jedoch bei Weitem nicht so besonders als die Parade die wir zuletzt in La Paz gesehen haben. Die Zeit drängt und bereits zwei Tage später planen wir weiter nach Oruro aufzubrechen. Am letzten Tag gehen wir auf einen der Stadtberge und besuchen die Cristo Blanco Statue. Auf dem Rückweg in die Stadt kommen wir dann an einem Markt vorbei und wir finden ein richtig leckeres Mittagessen (siehe Foto) um 20Bs. Tags darauf, an einem Nationalfeiertag nehmen wir dann den Bus zurück in Richtung Oruro, wir erwarten schon fast eine Straßensperre wie sich vor uns die Autos stauen, im Endeffekt ist es dann aber nur eine Kontrolle der LKWs. Entlang der Straße finden, trotz intensivem Staub durch den Verkehr und die Sanierung der Straße, bei jedem Dorf Prozessionen in farbigen Gewändern statt.

In Oruro sind wir zuerst mit der Suche nach einer Unterkunft beschäftigt, bevor wir uns in das rege Treiben rund um die Umzüge stürzen können. Die Hotels und Gasthäuser, welche wir zuerst finden sind zwar alle sehr günstig, so etwa 25-50Bs für ein Doppelzimmer, aber entweder ausgebucht oder nicht so nett. Später lasst mich Bao Yu dann mit dem Gepäck im Zentrum sitzen und macht sich auf die Suche nach etwas Brauchbaren. Wenige Minuten später ist es dann soweit, wir haben eine Unterkunft mit einer winzigen Küche gefunden, nicht wirklich warm aber zu mindestens sauber, günstig und funktionell. Nachdem wir das Gepäck abgeladen haben stürzen wir uns ins Getümmel des Nationalfeiertags, es gibt viele Umzüge mit Musik und alle sind festlich gekleidet. Auf der Straße essen wir wie viele andere Reis mit Huhn und Gemüse, wenige Minuten später merken wir, oh, das war dann wohl nicht so gut und unser Bauch beschwert sich dementsprechend. Tags darauf gehe ich am Morgen zum lokalen Markt ums Eck und organisiere Brot, Wurst, Gemüse und Ei fürs Frühstück. Wir sitzen dann vor dem Hotel in der Sonne, fast schon wie zwei Obdachlose und essen unser Frühstück. Im Schatten ist es am Morgen einfach viel zu kalt, denn es ist sehr windig, Winter und mit knapp 3800m auch ziemlich hoch. Unter Tags ist es dann ganz angenehm und wir erkunden die Stadt und auch einige der Hügel ringsherum. Am Abend versuchen wir in der winzigen Küche zu kochen aber es ist etwas umständlich. Zwei Tage später beschließen wir nach Sucre weiterzuziehen. In der Busstation erzählt man uns, dass der erste Bus um 6Uhr am Morgen fährt. Wir wollen diesen Bus nehmen, da wir zuerst nach Potosi fahren müssen und wir von dort aus einen weiteren Bus nach Sucre nehmen wollen. Wie wir dann am Morgen in der Busstation ankommen stellt sich heraus, die Information falsch und der nächste Bus geht erst um 7:30, na toll. Wie in Bolivien üblich fährt der Bus dann auch noch etwas später, also so gegen 8 verlassen wir die Busstation. Da hätten wir ruhig noch 2h langer schlafen können. Die Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle und in Potosi steigen wir direkt mit vielen anderen Lokals in einen Kleinbus um, welcher uns relativ rasch nach Sucre bringt.

Wir kommen in Sucre noch am Nachmittag im Busterminal an und machen uns mit dem Stadtbus zu unserer nächsten Unterkunft auf. Diesmal leben wir bei einer Familie und werden dort sehr herzlich empfangen. Das Haus ist groß und hell und wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Wir kochen viel für und mit der Hostfamilie (Tochter und Mutter) und werden auch bekocht. Es ist fast so, als wären wir Teil der Familie. Ein Filmfestival findet die Tage statt und wir schauen uns spontan einige Filme an. Am besten hat mir Salero, eine Geschichte von einem Salzarbeiter aus der nahe gelegenen Salzwüste in Uyuni. Was sehr besonders ist, das im Film viele Kleinigkeiten gezeigt werden welche uns in unserem täglich Reiseleben in Bolivien unterkommen. Von unserem Host lernen wir, dass man im Markt und auf der Straße immer nach „Jabba“ fragt, also „ein bisschen mehr“. Das ist hier in Sucre sehr üblich und so bekommen wir oft 20% mehr als zuvor ausverhandelt. Eines Abends findet am Hauptplatz ein Protest statt, von Tipis und Ley266 ist die Rede. Unser Host erklärt und dann sehr aufschlussreich ein bisschen den Hintergrund des Konfliktes. Es geht dabei um eine Straße, die von Bolivien nach Brasilien gebaut werden soll. Allerdings führt diese durch viele bis jetzt unberührte Gegenden wo im Amazonas viele Tiere und Naturvölker leben, welche durch die Straße natürlich beeinflusst werden würden. Bolivien hat generell „das Recht der Mutter Erde“ in der Verfassung verankert (das hätte ich so nicht erwartet) und seit Jahren wurde von den Politikern versucht das mit Gesetzen entsprechend zu umschiffen. Seit einigen Tagen ist das neue Gesetz Ley266, das offiziell den Bau der Straße erlaubt, durch und deshalb der Protest. Im Hintergrund munkelt man, dass die Straße gebaut werden soll um das in Bolivien rund um Chapare erzeugte Kokain nach Brasilien einfacher exportieren zu können. Der Präsident Boliviens ist angeblich mit dem Geld der Kokamafia groß geworden und hier wird natürlich ein entsprechendes Entgegenkommen erwartet. Unser Plan war ja eigentlich in einigen Tagen von Sucre aus weiter nach Tarija zu fahren, aber aktuell gab es dann sehr schwere Waldbrände in der Gegend rund um Tarija und so haben wir beschlossen stattdessen, wie ursprünglich geplant, über Villazon nach Argentinien weiterzureisen. Wie wir eines Tages in der Stadt unterwegs sind entdecken wir im Bolivar Park eine lustige Ansammlung von Buden welche lokales Essen verkaufen. Wie wir näher mit den Leuten sprechen stellte sich heraus, das sind lokale Hausfrauen welche Geld für die Waldbrände in Tarija sammeln. Wir sind hungrig und so sucht Bao Yu einen Stand aus. Das Gericht sieht gut aus, mit viel scharfer Sauce und Gemüse oben drauf aber was ist denn da unter dem Gemüse? Wie es aussieht haben wir eine lokale Spezialität bestellt, Rindermagen. Wir sind beide nicht so wirklich glücklich mit unserer Wahl, essen dann aber tapfer auf und versichern den Hausfrauen das es uns „köstlich“ geschmeckt hat. Tags darauf hat Bao Yu eine leichte Erkältung und einen rauen Hals und unser Host bereitet in den folgenden Tagen verschiedene lustige Kräutermischungen für uns vor. Die lokalen Märkte sind interessant, wenn auch nicht so günstig wie in Chochabamba. Eine Dame verkauft Joghurt direkt aus den großen Milchkannen. Ich probiere einige Sorten, aber finde, dass das mit Joghurt nichts zu tun hat da es sehr verdünnt, gefärbt und stark gezuckert ist. Sucre ist generell etwas mehr touristisch als die anderen Orte, an denen wir bis jetzt waren aber es ist warm und die Menschen hier sehr offen und modern. Die Stadt könnte vom Gefühl her auch in Spanien sein, in der Innenstadt sieht man auch viele tolle weiße Gebäude. Wenn man aber von unserer Dachterrasse aus die Häuser beobachtet sieht man dann doch, dass man in Bolivien ist. Der eine oder andere Museumsbesuch durfte natürlich auch nicht fehlen. In einem Museum finden wir zum Beispiele viele der Trachten wieder, welche wir zuvor in La Paz bei dem Umzug gesehen haben. Leider fehlt das Verständnis etwas, denn die Erklärungen sind großteils nur in Spanisch vorhanden. In den Museen sehen wir, dass Bolivien auch archäologisch mit Peru durchaus mithalten kann. Nachdem wir aber rund um Cusco vor kurzem so intensiv in den Ausgrabungsstätten unterwegs waren beschließen wir diesmal keinen Fokus darauf zu setzen. Auch die Information, welche wir in Cusco erhalten haben, dass die Inkas viele der Handwerkskünste aus Bolivien „importiert“ haben scheint zu stimmen. So sieht man in den Museen zuerst die lokalen Kulturen, welche einige Generationen bevor die Inkas einmarschiert sind schon sehr ähnliche Verarbeitungsweisen, Muster, Farben und Formen aufgewiesen haben. Einige Tage später wollen wir dann weiter nach Potosi aufbrechen aber es braucht insgesamt drei Tage bis wir uns wirklich durchringen können unsere nette Hostfamilie zu verlassen. Als wir dann aus der Haustüre rausgehen und um die Ecke bin ich ziemlich traurig, aber Bao Yu tröstet mich, so ist nach einer Weile alles wieder gut. Wir haben die andere Familie eingeladen uns später zu besuchen, mal schauen. Die Busfahrt nach Potosi ist nicht weiter aufregend und so kommen wir etwa dreieinhalb Stunden später in dem doch wesentlich kälteren Ort an.

Wie gewohnt machen wir uns in Potosi zuerst auf, eine Unterkunft zu finden. Ich passe auf das Gepäck auf, während Bao Yu die verschiedenen Hotels abklappert. Sitze ich in der Sonne und warte, aber selbst dort wird mir relativ schnell ungemütlich und ich ziehe meine Jacke an. Bao Yu kommt wenige Minuten später zurück und hat eine günstige kalte und eine teure warme Unterkunft mit Zentralheizung gefunden. Wir beschließen es zuerst in der günstigeren zu versuchen und im Zweifel ziehen wir eben in die Andere um. Die Stadt fühlt sich auf Anhieb etwas touristisch an und so sind auch einige unserer Begegnungen mit den Einheimischen. Die Ausflüge zu den Silberminen sind scheinbar nur organisiert als Trip machbar, wir entscheiden uns dagegen. Am Abend ist es in unserem Zimmer etwas ungemütlich aber wir wissen uns zu helfen, vor Fenster und Tür werden Decken geklemmt und im Bett haben wir einige Wärmflaschen unter der 5-lagigen Bettdecke. So schlafen wir, den Umständen entsprechend, ziemlich gut, wenn auch nicht so gut wie in Sucre. Tags darauf erkunden wir die Stadt, es gibt viele historische Orte hier. Auch Musik hören wir und so finden wir einen weiteren Studentenumzug, interessant aber bei weitem nicht so intensiv wie in La Paz. Was lustig ist, in vielen Städten in Bolivien fahren als Stadtbus japanische Autobusse herum, teilweise noch mit der originalen Aufschrift. Nach eineinhalb Tagen in Potosi beschließen wir weiter in den Süden zu ziehen. Es ist nicht klar wie weit wir an einem Tag kommen aber zumindest bis zu der Stadt an der Grenze, Villazon, sollten wir es schaffen. Also nehmen wir Tags darauf den Bus und los gehts. Abends zuvor haben wir im Zentralen Markt von Potosi noch Geld gewechselt und für unsere Bolivianos unglaubliche 7% mehr argentinische Pesos, als der offizielle Kurs angibt. Ich hatte zuvor von 4-5% mehr beim Wechseln von USD gelesen, aber 7%, wir freuen uns. Mit dem Bus geht es ohne Zwischenfälle auf einer relativ guten Straße dahin und wir erreichen Villazon am späteren Nachmittag. Nachdem der Taxifahrer gemeint hat, die Grenze sei am Nachmittag meist ruhig schauen wir uns das gleich an und sind etwa einer halben Stunde später in Argentinien. Zuvor habe ich noch die restlichen Bolivianos zum selben Kurs wie zuvor in Potosi eingetauscht. Wir hätten, wenn wir das vorher gewusst hätten, an der Grenze einmal zum Bankomat gehen sollen und soviel Bolivianos abheben wie möglich und diese danach in argentinische Pesos umtauschen. Weiters hätten wir alle unsere „kleinen“ USD in große (100er oder 50er) umtauschen sollen, aber im Nachhinein ist man immer schlauer. An der Busstation in La Quiaca (so heißt der Grenzort auf der argentinischen Seite) gibt man uns dann die Info, dass der Bus um 17:30 fährt, gut denken wir uns. Wie dann aber ein anderer Bus zuerst kommt finden wir heraus, dass wir angeschmiert wurden, denn man hatte uns nur die Ankunftszeit des Busses gesagt, nicht die Abfahrtszeit eine gute halbe Stunde später. Es wird schön langsam dunkel und unsere Busfahrt geht sehr flott voran, vielleicht 100-120km/h was wesentlich rascher ist als in Bolivien. Später holen wir den zuvor nicht genommenen Bus ein und wir sind froh den schnelleren Bus genommen zu haben. Die Fahrt geht bis nach Humahuaca wo wir so gegen 9Uhr (argentinische Zeit) ankommen und nach längerem hin und her dann auch eine Unterkunft finden und müde in unser Bett fallen. Details zu Humahuaca und der weiteren Reise werde ich im nächsten Post berichten.

Gesamt geht die Reise jetzt noch zwei Monate, denn Ende September werde ich nach nun schon 3 Jahren die Weltreise beenden und wieder Hause kommen. Miete einer Wohnung und Einstieg ins Arbeitsleben ist mit Q2/2018 geplant, sollte jemand etwas weitervermitteln wollen bitte ich, mit mir Kontakt aufzunehmen. Die weitere geplante Reiseroute ist Argentinien bis nach Salta, dann über die Berge nach Chile und dann hoch nach Arequipa in Peru oder so ähnlich.

Alles Liebe an meine Reiseblogleser,
Max

Weltreise Peru, Choquequirao Trek

Wie bereits angekündigt möchte ich in diesem Blogpost von unserem Trek nach Choquequirao, einer in Ausgrabung befindlichen Inkastadt und dem weiteren Weg über die Berge bis nach Santa Teresa berichten.

Hier die Eckdaten des Treks:
– 7 Tage / 6 Nächte unterwegs
– Gesamtausgaben etwa 180€ für 2 Personen (eine Buchung bei einer Agentur kostet locker 1000USD pro Person)
– Gewicht des Rucksacks zu Beginn in etwa 13/14kg
– Gasverbrauch: 500g
– Etwa 50km zu Fuß unterwegs, davon ca. 4,5km runter und 4,5km rauf
– Höchster Punkt (an den wir marschiert sind), Victoria Pass mit etwa 4200m zwischen Maizal und Yanama
– Höchstes Camp in Yanama auf 3650m
– Mehr Details in einem GPS File hier

Es folgt eine grobe Auflistung der Kosten in Sol für uns zwei:
– 150 für unser Trekking Gear (Zelt, Schlafsäcke, Matten und Kochsachen). Wir haben es bei „Himalaya Outdoor“ in Cusco angrenzend an Plaza de Armas in der Gasse Procuradores Nr. 398 ausgeborgt und waren ganz zufrieden, das Zelt klein aber sehr leicht, der -10 Grad Schlafsack ausreichend, der Rest funktional. Wir würden unser Gear dort wieder ausborgen.
– 40 für 2 Gaskartuschen, einmal 450g und einmal 250g
– 180 für Essen (knapp 4kg pro Person)
– 170 für Transport (zuerst der Bus Cusco nach Abancay für 40, dann ein lokaler Minibus von der Hauptstraße bis zum Roadhead 20, der Minibus von Yanama nach Playa 50, die beiden shared Taxis von Hidroelectrica nach Santa Maria 30 und der Bus von dort zurück nach Cusco weitere 30)
– 90 Eintritt nach Choquequirao (einmal Student für 30, einmal normal 60)
– 40 für Essen, Trinken und Camping am Weg
– Das macht total 670 (in etwa 180€) und ergibt erstaunliche 15€ pro Tag pro Person

In den Tagen vor dem Trek ging es relativ kurzentschlossen an die Vorbereitungen. Zuerst haben wir verschiedene Shops betreffend dem Ausborgen von Trekking Ausrüstung abgeklappert. Wir wurden relativ rasch bei dem oben genanntem Shop fündig. Danach ging es in die diversen Supermärkte und lokale Märkte um dort leichte aber nahrhafte Kost zu finden. Wir waren hier von Cusco eher enttäuscht, also besser die Nahrung von zu Hause mitbringen. Wir mussten uns also grob auf folgenden Speiseplan beschränken. Morgens: Haferflocken mit Milchpulver und diversen Trockenfrüchten und Geschmacksrichtungen. Zum Mittagessen: Käse, verschiedene Arten getrocknete Würste, etwas Brot, Müsliriegel und Trockenfrüchte. Zu Abend wurde dann, je nachdem wie es die Umstände erlaubten, aufgekocht. Es gab verschiedene Arten von Nudeln als Suppe verfeinert mit zuvor angerösteten Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer, dazu Fertigsuppenpulver und getrocknete Würste. Soweit verfügbar haben wir die „Suppe“ natürlich mit Eiern oder Gemüse angereichert. Wie wir dann mit finalen Packen beginnen stellen wir fest, oh, die -15 Grad Schlafsäcke sind dann doch etwas groß. Wir können unsere Rucksäcke zwar noch sinnvoll packen, aber das Gewicht ist nicht so sehr das Wahre. So beschließen wir das Essen um einen Tag zu reduzieren, die Schlafsäcke von -15 auf -10 Grad zu tauschen und unseren Kochtopf auf die kleinste verfügbare Variante zu tauschen. Unsere restliches Equipment lassen wir bei unserem Host in Cusco zurück.

Am ersten Tag nehmen wir am Morgen den Bus von Cusco nach Abancay. Die erwarteten Proteste und Straßensperren der Lehrer bleiben aus und es geht zügig dahin. Wie wir an der Abzweigung nach Cachora aussteigen wollen dann die erste Überraschung. Der Busfahrer ist von der Kabine aus nicht erreichbar, die vorhandene Glocke funktioniert nicht uns unser Klopfen wird eine Weile ignoriert. Schlussendlich bleibt der Bus aber dann doch stehen und wir steigen aus. Die wartenden Taxis wollen uns zwar mitnehmen, aber wir den überteuerten Preis nicht zahlen. So wandern wir die Strasse entlang bis wir Schatten finden und essen erstmal die vorhandenen Bananen und Mandarinen auf um unser Gepäck zu erleichtern. Wie ich erneut versuche, mit den Taxis zu verhandeln, kommt ein lokaler Transporter vorbei. Bao Yu hält den Transporter an und er nimmt uns für kleines Geld mit. Es geht über eine Schotterstraße zuerst nach Cachora und danach weiter bis zum Viewpoint, also dort wo der Trek startet. Am Anfang noch guter Dinge macht sich unser Gepäck mit dem gesamten Essen dann doch bemerkbar. Ich wünschte, ich hätte etwas weniger Essen eingepackt aber für drei, vier Tage wissen wir nicht so wirklich was uns erwartet und besser wir haben etwas dabei als nicht. Es geht in brütender Sonne hinunter zum Fluss, die Leute die uns entgegenkommen und den staubigen Hügel hinauf müssen tun mir leid. Gute Tourenplanung mit Sonne und Schatten ist hier von Vorteil. Bao Yu ist auch ganz schön am Schwitzen, ich gehe manchmal vor und nehme ihr dann das Gepäck ab, bin aber selbst ziemlich am Limit. Wie wir dann 1500 Höhenmeter weiter unten am Fluss ankommen prüfen wir unsere Optionen. Wir können entweder direkt neben dem Fluss am Playa Rosalina campen, es gibt dort Wasser, etwas Essen und Getränke zu kaufen, jedoch schwirren ziemlich viele Moskitos herum. So beschließen wir einen Campingplatz weiter zu ziehen, der Haken dabei, es gibt dort kein Wasser. Wir machen also kurz Pause, essen etwas, füllen unsere Flaschen voll (in etwa dreieinhalb Liter) und machen uns auf den Weg. Es geht gefühlt steil nach oben und auch wenn die Karte nur 150 Höhenmeter und weniger als 1 km anzeigt, kommt es mir wie eine Ewigkeit vor bis wir dort ankommen. Gesamt waren wir an diesem Tag etwa 11 km unterwegs. Der „Campingplatz“ besteht aus einer geraden, staubigen Fläche und einer kleinen Hütte nebenbei, wir sind die Einzigen dort. Nach einigen Minuten Verschnaufpause bitte ich Bao Yu, wir sollen das Zelt jetzt aufbauen, denn vielleicht ist es bald dunkel und wie mit dem Schalter ausgeknipst ist es, wie das Zelt steht und wir mit dem Kochen begonnen haben, quasi finster. Es ist überall staubig und Kochen im Finstern nicht so toll, aber wie wir beide dann die geplante Nudelsuppe essen sind wir guter Dinge und gehen bald darauf schlafen. Ich falle in tiefen, traumlosen Schlaf und wache erst am nächsten Morgen vom Zwitschern der Vögel gegen 6 Uhr auf.

Wir beginnen unseren zweiten Tag zeitig, da wir möglichst viel Höhe machen wollen, bevor die Sonne in den Hang scheint. Nach einem schnell gemachten Haferflockenbrei geht es steil den Hügel hinauf. Wir haben, obwohl wir auf Abwasch und „uns waschen“ verzichtet haben, noch knapp einen Liter Wasser übrig. Bao Yu geht voraus und ich gehe in einer Art Meditation langsam hinterher. Es funktioniert und wir kommen etwas später nach Santa Rosa Alto. Dort gibt es Wasser und wir füllen unsere Flaschen voll. Auch Essen gäbe es dort, aber wir haben aktuell genug eigenes Essen mitgebracht und wollen zuerst einmal schauen wie sich das entwickelt. Danach kommt langsam die Sonne hervor, jedoch gibt es immer noch genügend Schatten am Weg. Später kommen wir in das einzige Dorf in der Umgebung, nach Marampata. Es gibt dort einige Shops, Campingplätze und auch Essen zu kaufen. Wir machen Mittagspause auf einer Bank, ah tut das gut das Gepäck abzustellen. In der Ferne können wir schon die Umrisse von Choquequirao erkennen, wir sind ein bisschen aufgeregt. Nach der Mittagspause geht es zuerst gerade dahin, mit den 1300 Höhenmetern welche wir zuvor gemacht haben ist das auch notwendig. Nach einer Weile erreichen wir das Wärterhaus und kaufen unsere Tickets, Bao Yu sieht jung aus und geht als Student durch, mir möchte man das nicht mehr so recht glauben und so wird es nur ein Studententicket. Angeblich dauert es danach noch eine Stunde bis zum Campingplatz, doch es scheint sehr nahe. Wir wandern los und es geht wieder ein bisschen runter und rauf und wir können es kaum erwarten den Campingplatz zu erreichen. Am frühen Nachmittag treffen wir dann nach nur 9 Tageskilometern dort ein und sind guter Dinge. Wir bauen das Zelt auf und ich beginne neben mir und dem Geschirr auch meine Hose und T-Shirt zu waschen. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht weis ist, dass die Sonne am Campingplatz bereits gegen 4 verschwindet und daher mein Gewand nicht mehr trocken wird. Ich habe sparsamer weise nur eine Hose und einen Pulli mitgenommen, so borgt mir Bao Yu eine ihrer Hosen welche mir bis auf den Hosenbund sogar passt, Glück gehabt. Wir kochen Abendessen uns kriechen in unsere Schlafsäcke. In dieser Nacht ist es etwas kalt, mein Schlafsack hat ein Problem mit dem Reißverschluss, welches ich erst Tags darauf in den Griff bekomme, aber mit Pulli und Mütze schlafe ich dann doch ein.

Tags darauf, an unserem dritten Tag, war geplant, das nur 20 Gehminuten entfernte Choquequirao zu besuchen, doch zuerst muss meine Hose trocken werden. Die Kälte in der Nacht könnte auch mit dem gewählten Zeltplatz zusammenhängen und so siedeln wir vorsorglich unser Zelt um. Danach geht es mit trockener Hose und leichtem Lunchpack auf nach Choquequirao doch schon beim Weg dorthin nehmen wir nicht den „normalen“ Weg, sondern folgen einem anderen Weg und landen danach in einer Art Jungeltrail. Kurze Zeit später ist es aber dann soweit und wir bestaunen die ersten Ruinen. Das Gelände ist noch in einer sehr ursprünglichen Form und es gibt nur sehr wenige organisierte Wege. Oftmals folgen wir den typischen Terassen, dann einem kleinen Trampelpfad in den Jungel und staunen dann später wie wir aus dem Jungel auf das nächste Gebäude stoßen. Auch kaum Leute sind da, gesamt vielleicht etwa 20-30 auf dem Gelände verstreut. Etwas später folgen wir einem Wasserkanal nach oben, jedoch als wir dort ankommen stellt sich heraus, ups, das war der falsche Weg. Wir müssen also wieder zurück hinauf gehen und sind darüber entsprechend „begeistert“. Danach geht es in andere Teile der Ausgrabungen und die Zeit fliegt nur so dahin. Nach den „Lama-Terrassen“ geht es auf eine runde Plattform am Hügel, welche das gesamte Gebiet überblicken lässt und wir sitzen dort, jausnen, staunen und schön langsam wird es dunkel. Wir sind die einzigen weit und breit und genießen die Stimmung.

Am 4. Tag geht es nach dem „Rasttag“ in Choquequirao weiter, zuerst runter in ein anderes Tal hinter Choquequirao und danach rauf in die kleine Ortschaft Maizal. Laut GPS geht es heute mit 11 km und davon 1400 Höhenmeter runter und danach dasselbe wieder rauf, richtig zur Sache. Wir haben jedoch einiges an Essen verbraucht und nach grober Kalkulation 400g Haferflocken verschenkt. Zu Beginn geht es leicht hinauf, dann dem Hügel entlang und langsam nach unten. Aus der Ferne sehen wir weitere Inka Terrassen. Der Weg wird steiler, staubig und die Sonne brennt erbarmungslos auf uns ein. Wir wissen, dass wir spätestens beim Fluss im Tal Wasser bekommen, wenigstens etwas. Es geht langsam weiter und bevor es steil zum Fluss hinuntergeht gibt es einige Campingmöglichkeiten. Dann wie auf dem Nichts taucht ums Eck wieder die zuvor gesehen Inka Ruine Pinchaunuyoc auf und wir sind beeindruckt, mit so etwas hatten wir nicht gerechnet. Auch Wasser gibt es dort in guter Qualität. Wir machen Rast und erkunden die Ruinen bevor wir weiterziehen. Der weitere Weg zum Fluss ist sehr mühsam, es wird steil und rutschig, mehrfach kann ich mich gerade noch mit meinem Wanderstock fangen und auch Bao Yu kämpft mit der Umgebung. Dann endlich erreichen wir den Fluss und wollen im Schatten Pause machen doch die kleinen Sandfliegen lassen uns nicht wirklich zur Ruhe kommen und so machen wir uns bald auf die Weiterreise. Nachdem wir nicht wirklich wissen, ob wir vor Maizal wieder Wasser bekommen nehmen wir einiges an Wasser vom Fluss mit. Der Weg hinauf ist genauso steil und rutschig wie der Weg hinunter und ich relativ fertig. An einem Punkt will ich nicht mehr so recht weitergehen und lege mich, nach dem Verzehr von einigen Riegeln und Trockenfrüchten für etwa 15 Minuten ins Gebüsch. Der Powernap funktioniert und danach ist wieder Energie da, langsam und gleichmäßig geht es Maizal entgegen. Das Wasser reicht gerade so aus und wie wir dort ankommen sind wir … fertig. Die Wasserquelle in Maizal ist sehr erdig und wir erstehen einige Getränke (sehr teuer) und einige Eier (sehr günstig). Auch einen anderen Reisenden aus Brasilien treffen wir, welcher von der anderen Seite her von Yanama aus unterwegs ist und wir tauschen Informationen aus. Es wird langsam finster und kalt und wir kochen unsere Pasta und genießen den Ausblick. Als wir am Abend in unsere Schlafsäcke kriechen bin ich mir nicht wirklich sicher, ob wir Tags darauf nicht einfach Pause machen sollen, wir beschließen aber dann am Morgen zu entscheiden wie es uns geht und was wir machen.

Tags darauf beschließen wir den Besuch der Ruinen in der Umgebung zu spritzen und relativ zeitig den Victoria Pass mit etwa 4200m zu erreichen. Aktuell ist noch nicht ganz klar wie es mir mit der Last in der Höhe gehen wird, normalerweise wenn ich auf über 4000m unterwegs bin, merke ich das etwas, aber mal schauen. Die Tageslast ist mit „nur“ 8,5 km und 1000m rauf, 600m runter überschaubar. Zuerst geht es relativ eben dahin und ich bin motiviert. Bao Yu kommt ganz schön ins Schwitzen und ich gehe danach bewusst langsam voran. Wir finden erste Minen und auch eine Wasserquelle zum Nachfüllen bevor es langsam und stetig weiter in Richtung Pass geht. Der Weg ist mit sehr vielen Steinstiegen ausgebaut, es sieht so aus, als wären wir auf einem alten Inkaweg unterwegs. Langsam aber stetig geht es dem Pass entgegen, wir plaudern und sind guter Dinge. Wir kommen früher als erwartet bereits am Pass an und lassen uns das Mittagessen schmecken. Als wir nach der Pause um die ersten Felsen herumgehen auf einmal eine gletscher- und schneebedeckte Gebirgskette vor uns, ein schöner Anblick. Danach geht es zuerst eben dahin und dann langsam hinunter nach Yanama. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Roadhead in Yanama und bauen unser Zelt im nahegelegenen Campingplatz auf. Wie ich den Shop des Campingplatzes betrete, kann ich es kaum glauben, es gibt jede Menge Gemüse hier und ich kaufe einiges um unser Abendessen aufzupeppen. Am Abend kommt dann ein Truck vorbei welcher als fahrender Shop agiert, die Produkte dort sind erstaunlich günstig, weit günstiger als ich bis jetzt in Märkten oder Shops in den Stätten gesehen habe.

Am Morgen des 6. Tages unseres Treks sind wir unentschlossen, ob wir mit unserem Gepäck und den zwei starken Tagen zuvor den Pass mit 4600m schaffen oder nicht. Wir beschließen dann, für 58 km den lokalen Minibus zu nehmen und danach am Nachmittag weiter zu trekken. Die Fahrt im Bus findet dann aber ein jähes Ende als auf einmal, in wunderschöner Umgebung, eine der hinteren Bremsen blockiert. In der nächsten Stunde wird die Bremse zerlegt und das Problem gesucht. Wir machen uns geistig schon auf einen weiteren Trek gefasst. Problem gefunden, es rinnt Bremsflüssigkeit aus. Als Gegenmaßnahme wird die Bremse manuell entsprechend „weich“ gestellt, dadurch bremst sie zwar nicht mehr, blockiert aber auch nicht und wir sollten es bis zur nächsten größeren Stadt schaffen. Zu wissen das etwas mit den Bremsen nicht mehr ganz passt und dann rasant Bergstraßen zu befahren ist ein Vergnügen, welches ich so schnell nicht mehr wiederholen möchte. Wir verlassen den Bus etwas nach Sahuayaco und starten neben dem Campingplatz Ccapac Nan einen weiteren Trek den Hügel hinauf. An kleinen Restaurants wird Cafe angeboten und auch die aus Kolumbien bekannten Kaffeestauden sind überall zu sehen. Es geht, einen erst vor zwei Jahren erschlossenem Weg entlang, bis zu einem Aussichtspunkt am Gipfel, von dem man eine Seite von Machu Picchu begutachten kann. Zuerst ist uns nicht ganz klar, wo wir nächtigen und der erste Campingplatz hat zwar Wasser, ist aber im Wald und uns der Hund dort nicht so geheuer. Etwas weiter gibt es dann die Möglichkeit hinter einer der Inka Ruinen illegal zu campen, wir entscheiden uns dann aber doch für einen offiziellen aber dann doch sehr bevölkerten Campingplatz neben dem Restaurant „Llaqtapata Lodge“ etwas weiter unten. Gesamt war der Trek an diesem Tag nur sehr kurz, etwa 7 km lang, 800m rauf und 250m runter. Wie wir im Camp ankommen sind wir müde aber guter Dinge, wir stellen unser Zelt hinter einer Jugendgruppe aus England auf und können wider Erwarten mit Ohropax gut schlafen.

Am nächsten Morgen brechen die diversen Jugendgruppen frühzeitig in Richtung Machu Picchu auf und wir haben den Campingplatz für uns alleine. Wir genießen ein ausgiebiges Frühstück mit allem was noch übrig ist im Anblick der berühmten Inka Ruine, ein besonderer Moment. Danach geht es einen kurzen Fußmarsch (4 km, 800m runter) weiter in Richtung Hidroelectrica, einem Wasserkraftwerk und dem Roadhead von Machu Picchu. Am Weg dorthin teilen wir um 5 Sol ein Taxi mit anderen Reisenden nach Santa Teresa, von dort geht es eine weitere Schotterstraße nach Santa Maria, diesmal um 10 Sol. Vom Gefühl her hätten wir zuerst nach Hidroelectrica gehen sollen und dort mit einem der Touristenautos eine Fahrt nach Cusco verhandeln sollen, aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Von Santa Maria geht es dann weiter im lokalen Bus um nur 15 Sol. Die Busfahrt war insofern interessant, da in der Umgebung viel Obst wie Bananen und Mandarinen angebaut wird und viele Damen sich in den Bus gezwängt haben, um ihre Ware zu verkaufen. Das waren wir bis jetzt zwar auch schon gewohnt aber einen so dichten und bunten Auflauf haben wir bis jetzt noch nicht erlebt. Dann plötzlich bleibt der Bus stehen und zwei „Coca-Beamten“ starten eine Durchsuchung, allerdings nur, indem sie auf Verdacht verschiedene Taschen und Rucksäcke öffnen und auf Coca-Blätter durchsuchen. Die Jungs in den Sitzen vor uns sind sichtlich nervös, ein Mütterchen schräg gegenüber von uns auch, aber die Stimmung ist entspannt. Dann wie die Beamten zwei Säcke Coca-Blätter gefunden haben ist scheinbar das Quota erfüllt und der Bus darf weiterfahren. Von überall her werden die versteckten Säcke wieder in das normale Gepäck zurückgepackt, interessant. Die weitere Fahrt klettert auf über 4000m und die Aussicht ist grandios, doch die Fahrt lange. Wie wir abends dann in Cusco ankommen geben wir zuerst unser Trekking Gear zurück, dann geht es weiter zu unserer Unterkunft und wir fallen nach einer ausgiebigen warmen Dusche müde ins Bett.

Im Nachhinein betrachtet hätten wir unser Gepäck um etwa 2kg reduzieren können, indem wir weniger Essen mitnehmen. Einerseits etwas mehr Geld investieren und am Weg mehr zukaufen und andererseits von der Essenskalkulation her sind z.B. 60g statt 100g Haferflocken pro Person ausreichend gewesen. Selbes gilt für die Nudeln am Abend, hier waren 125g statt den kalkulierten 150g pro Person ausreichend und auch für die Trockenfrüchte zwischendurch, hier waren 80g statt den kalkulierten 125g ausreichend. Dann das Leihmaterial in Cusco zu organisieren war eine gute Idee, wir haben gutes, leichtes Material für wenig Geld bekommen. Trekking in der Umgebung rund um Cusco ist einfach möglich und die Infrastruktur es selbstständig zu tun grundsätzlich vorhanden. Wir haben mit anderen Leuten gesprochen, welche andere Treks in der Umgebung gemacht hatten aber es wurde uns mehrfach von vielen Leuten und vielen Pferden am Weg berichtet. Das war bei unserer Rute nicht so, am meisten Leute haben wir am Weg nach Choquequirao getroffen (vielleicht 20-30), nach Choquequirao ganz vereinzelt Lokals und manchmal einen anderen Wanderer aber von Massen noch keine Spur. Das kommt, dann in einigen Jahren, wenn die geplante Seilbahn errichtet wird. Die Umgebung ist umwerfend und abwechslungsreich, jedoch der Trek, gerade am Tag nach Choquequirao recht anspruchsvoll, jedoch immer die Option einer zusätzlichen Campsite oder eines weiteren Rasttags offen.

Aktuell sind wir bereits in Bolivien und auch die Fahrt dorthin hatte so ihre Problemchen, aber mehr dazu im nächsten Post.

Alle Liebe,
Max