Weltreise Kolumbien, Bogota

Mittlerweile sind wir bereits mehr als 20 Tage in Kolumbien und es gefällt uns sehr gut. Von den Anfangs vermuteten Probleme zwecks Kommunikation und Sicherheit haben wir bis jetzt kaum etwas zu spüren bekommen, ganz im Gegenteil wir werden hier super nett behandelt und das gefällt. Nachfolgend einige Auszüge aus dem täglichen Reiseleben.

Ich bin mit einem Direktflug von Madrid nach Bogota geflogen und wurde am Flughafen von einem Freund eines Freundes abgeholt. Wir haben dann im Auto in spanisch/englischer Mischung miteinander geplaudert und Freundschaft geschlossen. Die Strassen in Bogota (und scheinbar in Kolumbien generell) sind als Calle und Carrera benannt, wobei die Calles in ost-west Richtung verlaufen und die Carreras in nord-süd. Um einen Ort in der Stadt zu finden bedarf es also nur noch sich zwei Nummern zu merken, praktisch. Der günstigste Obst- und Gemüseladen in der näheren Umgebung ist z.B. hier: Calle 147 con Carrera 15. Wer weitere Hinweise zu den Strassen sucht findet in Wikivoyage hier mehr.

Nachdem der Verkehr in Bogota sehr dicht ist habe ich beschlossen Tags darauf meine Reisegefährtin mittels Expressbus (der lokale Name ist TransMilenio) vom Flughafen abzuholen. Sie hatte den Flug kurzfristiger als ich gebucht und eine längere Reiseroute mit Umsteigen gewählt. Der Flug sollte um etwa 6 Uhr in der Früh landen, ich bin also um etwa 5 Uhr aufgestanden und habe mich danach auf zum TransMilenio aufgemacht. Mir war vorerst etwas mulmig zumute und ich habe versucht den Strassen zu folgen welche mehr belebt waren aber was mich stutzig gemacht hat war, dass manche Leute die mir begegnet sind etwas verängstigt waren. Nach einiger Zeit ist mir dann aufgefallen warum das so ist, die hatten Angst vor mir. Kann ich irgendwie auch verstehen, es ist noch dunkel, ich bin groß, männlich und dunkel angezogen. Ich habe danach freundlich gelächelt und siehe da, die Leute waren entspannter. Im Bus war dann für einen Moment nicht klar wo ich aussteigen soll, ich habe jemanden auf Spanisch gefragt und die Antwort in akzentfreiem Englisch erhalten, das hatte ich so nicht erwartet.

Den Kontakt zu unserer Unterkunft in Bogota habe ich über meine Yogakontakte aus Indien erhalten, wir wohnen quasi aktuell im Kinderzimmer im Norden Bogotas in einer spanisch/kanadischen Familie und fühlen uns hier sehr gut aufgehoben. Die Umgebung ist lokal aber sicher, selbst abends umherzuwandern stellt kein Problem dar. Mittlerweile würde ich sagen sind wir ein Teil der Familie und täglichen Routine geworden. Wir bekommen Einblick in das lokale Leben, fragen und verstehen viel und versuchen teilweise nur noch auf Spanisch zu kommunizieren was immer öfter auch gelingt.

Um in der Stadt umher zu kommen gibt es nur zwei vernünftige Möglichkeiten, zu Fuß oder mittels TransMilenio. Beide nützen wir ausgiebig. Im Expressbus geht es richtig zur Sache, das Gedränge erinnert mich manchmal an Indien. Auch viele Leute leben davon etwas im Bus anzubieten, vom einfachen Verkauf von Snacks und Süßigkeiten angefangen bis hin zum lokalen Rapper wo der halbe Bus mitsingt ist alles dabei.

Die Leute welche wir auf der Strasse treffen oder welche wir etwas fragen oder in einem Geschäft etwas kaufen wollen sind super nett zu uns. Das hätte ich in einem der kleineren Dörfer erwartet aber nicht in der Hauptstadt. Man ist auch geduldig mit unseren Spanischversuchen, korrigiert uns, versucht uns zu verstehen und irgendwie gelingt es dann doch immer wieder. Ich bin schon gespannt wie das wird, wenn wir länger in einem kleinen Dorf leben.

Unsere Hostfamilie hat uns zu den diversen Festen und Veranstaltungen eingeladen, so durften wir bei einer Grillerei mit Familie und Freunden dabei sein, einem Elternabend in der Schule und auch bei der Geburtstagsfeier der Oma. Wir haben die Möglichkeit genutzt um Spanisch zu sprechen, die lokalen Sitten und Gebräuche besser kennen zu lernen und auch nach vielen Reisetipps in Kolumbien gefragt.

Mittlerweile sind wir in Bogota ziemlich herum gekommen und fühlen uns selbst in nicht so guten Gegenden wohl. Natürlich merkt man wenn man in eine eher heruntergekommene Gegend kommt, die Graffitis und Leute die auf der Strasse wohnen werden mehr und die Schutzbauten rund um Häuser und Geschäfte massiver. Prostitution ist in einigen Teilen der Stadt sehr üblich, genauso sieht man viele Leute bei der Konsumation diverser Substanzen. Wenn man den diversen Reiseinformationen folgt „sollte“ man nur in einige wenige Bereiche gehen, wir haben Anfangs die Informationen gar nicht gelesen und sind einfach drauf los marschiert und haben uns nach dem Gefühl und den Einheimischen gerichtet. Im Stadtkern in La Candelaria und auch auf dem Stadtberg Monserrate haben wir einige Touristen getroffen aber generell ist es eher touristisch ruhig. Wenn man nicht gerade in einem Hotspot ist (Plaza de Bolivar, Calle 26 con Carrera 14 oder Museo del Oro) wird man quasi nicht behelligt.

Ende Februar haben wir dann meinen 33. Geburtstag gefeiert. Eigentlich wollten wir auf den Stadtberg Monserrate wandern aber wir waren zu spät dran, so sind wir nur auf einer der Aussichtsstraßen gelandet. Später gab es in einem Cafe einen Geburtstagskuchen inklusive Gesang. War wieder Erwarten sogar lecker (doch die Joghurt Torte fehlte mir trotzdem). Als Geburtstagsgeschenk habe ich ein spanisches Kinderbuch von einem Zauberdorf bekommen, für Kinder ab 9 Jahren steht drauf. Ich beiße mich aktuell Seite für Seite durch. Mittlerweile kann ich bei jedem zweiten Satz in etwa erraten worum’s geht, aber bei dem anderen kein Plan. Ich werde hier weiter dranbleiben, das wird dann schon werden.

Wie erwartet ist mittlerweile auch etwas „verschwunden“, und zwar der Regenschirm. Wir sind während des Regens in einem Shop geflüchtet um den Platzregen abzuwarten und erst danach weiterzuziehen. Am Eingang mussten wir den Schirm abgeben und dann eine halbe Stunde später war der Schirm auf einmal nicht mehr aufzufinden. Wir haben dann gepokert und uns in Spanisch verständlich gemacht und wollten den Schirm um etwa 50.000 Pesos (etwa 16 Euro) ersetzt haben. Die Angestellten haben uns danach mitgeteilt, dass dies nicht möglich sei. Nach einigem hin und her wollten sie jedoch einen neuen Schirm für uns kaufen. So sind wir gemeinsam in den Shop gegenüber gegangen und haben dort einen neuen Schirm ausgesucht, das hätte ich so nicht erwartet.

Tags darauf sind wir dann früher aufgestanden und wollten erneut versuchen auf den Stadtberg Monserrate (3152m) zu gehen. Gesagt, getan, zuerst etwa 10 Minuten zum TransMilenio Expressbus, dann etwa 40 Minuten mit dem Bus in die Stadt und danach etwa 20 Minuten zum Fuß des Berges. Dort angekommen geht es etwa eine Stunde einen gepflasterten Wanderweg den Berg hoch. Wir sehen einige Touristen aber auch viele Einheimische, vor allem bei den Studenten dürfte der Wanderweg auf den Berg beliebt sein. Unser Plan ist zu Fuß hinauf zu gehen und danach mit der Gondel um etwa 2 Euro wieder herunter zu fahren. Oben angekommen geht es eher touristisch zu. Wir essen unsere Jause und überlegen. Laut der OpenStreetMaps Karte gibt es einen weiteren Wanderweg aber laut den anderen Reisenden die wir treffen ist alles abgezäunt. Ich will das nicht so recht wahrhaben und wir wandern am Zaun entlang und siehe da, hinter der Hütte mit den Ponny’s welche die Versorgung sichern ist eine provisorische „Leiter“ im Zaun. Wir folgen dem offensichtlichen Pfad und kommen zu einer lokalen Behausung mit vielen Hunden. Diese hören sich nicht sehr freundlich an, so nehmen wir einen weiteren Weg der vom Haus weg in ein anderes Tal abzweigt. Nach einiger Zeit versuchen wir wieder zurück auf den Grad zu kommen, erster Versuch landet nach wenigen Minuten im Dschungel, zweiter Versuch gelingt und wir folgend dem Grad. Später wird der Weg sogar noch besser und es sieht so aus, als wäre der Weg gerade in Sanierung, wir folgend ihm und sind etwa eineinhalb Stunden später in der Nähe eines Wasserwerks wieder in der Zivilisation angekommen. Wir werden von einem Guard empfangen welcher uns sogleich in Spanisch mitteilt, dass wir hier nichts verloren hätten und er uns „eskortieren“ müsste. Wir sagen darauf, dass wir ihn nicht verstehen und er meint er möchte ein „Regalo“, was soviel bedeutet wie ein „Geschenk“. Wir geben weiter vor nicht zu verstehen, ignorieren ihn und marschieren auf die nächste belebte Strasse zu und bleiben unbehelligt. Das ist nun schon das zweite Mal, dass wir nach Geld gefragt werden. Auch mit der „echten“ Polizei hatten wir bereits Kontakt zwecks Ausweiskontrolle einen Tag nach einem Bombenanschlag (Details hier) aber das war „anders“ und klar zu unterscheiden.

Nachdem wir uns reise-technisch in der Stadt mittlerweile recht wohl fühlen machten wir uns daran Ausflüge in die nähere Umgebung zu unternehmen. Der erste Ausflug ging nach Suesca, einem kleinen Dorf etwa 1-2 Stunden mittels Bus, je nach Verkehrslage. Der Ort ist berühmt für seine Kletterfelsen aber leider sind Unterkunft und Kletterausrüstung für kolumbianische Verhältnisse völlig überteuert, sonnst hätten wir dort sicher Station gemacht. Im Dorf haben wir dann ein lokales Spiel entdeckt. Funktioniert ähnlich wie Dart, nur statt Pfeilen werden Metallscheiben in Richtung der Mäuler der beiden Frösche geworfen, der dicke Frosch bringt 8000 Punkte, der kleine 6500. Am Fels haben wir die anderen beim Klettern beobachtet, auch die eine oder andere Bolderei durfte natürlich nicht fehlen. Danach sind wir den Gleisen welche am Klettergebiet entlangführen gefolgt und mittels einem Treck über den Hügel wieder zurück zum Dorf gekehrt.

Ein weiterer Daytrip ging in den Süden von Bogota, konkret nach Usme, eine Vorstadt von Bogota in welcher unsere Haushälterin wohnt. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt, viel Spanisch geplaudert, gut gegessen und so weiter. Vom Gefühl her ist es dort eher wie ein Dorf, jeder kennt jeden, und so weiter. Wir hätten danach gleich versucht dort eine passende Unterkunft für einige Tage zu finden, waren aber leider nicht erfolgreich.

Nachdem unsere Hostfamilie einige Tage unterwegs war haben wir uns um unseren Hund Miky gekümmert. Regelmäßiger Auslauf vorm Haus inklusive Ballspiel und laufende Fütterung waren angesagt und schon nach kurzer Zeit ist uns Miky ans Herz gewachsen.

Vorgestern waren wir im „Museo del Oro“, dem Goldmuseum. Dort ging es etwas touristisch zu aber nicht weiter schlimm. Die Gold Ausstellung war nett aber nichts wirklich besonderes aus meiner Sicht. Was mich viel mehr berührt hat, war die temporäre Ausstellung zum Thema Molas. Eine Mola ist ein traditionelles Kleidungsstueck welches im Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Panama hergestellt wird. Im Prinzip werden verschiedenfarbige Stoffe mit einander vernaeht und damit ein Muster erzeugt. Weitere Details fuer Interessierte hier und hier.

Die Reise geht in wenigen Tage weiter nach Cartagena im Norden von Kolumbien, danach hätten wir vor der Küste in den Westen zu folgen bevor wir weiter in den Süden bis schließlich Ecuador und Peru reisen.

Alles Liebe und bis dann,
Max